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Plazenta praevia

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Geschrieben von
Leonard Schwarz

Die Plazenta praevia ist ein Krankheitsbild der schwangeren Frau, das vor allem im 3. Schwangerschaftsdrittel von Bedeutung ist. Der Name kommt aus dem lateinischen und bedeutet „im Weg liegender Mutterkuchen“. Im Normalfall entwickelt sich der Mutterkuchen (Plazenta) zu Beginn der Schwangerschaft im oberen Bereich der Gebärmutter. Entwickelt sich die Plazenta tiefer und reicht an den Muttermund heran, beziehungsweise verdeckt diesen, spricht man von einer Plazenta praevia.

Oft fällt diese Lage der Plazenta zufällig bei einer routinemäßigen Ultraschall-Untersuchung im 2. Schwangerschaftsdrittel auf. In manchen Fällen kann sich die Lage der Plazenta verändern, sodass die Plazenta im Laufe der Schwangerschaft nicht mehr am Muttermund liegt, sondern mit dem Wachstum der Gebärmutter nach oben ‚steigt‘.

Auch wenn eine Plazenta praevia vorliegt, kann der Mutterkuchen recht unterschiedlich liegen. Dabei kann der Muttermund von Fall zu Fall mehr oder weniger abgedeckt werden. Das exakte Ausmaß, beziehungsweise die exakte Lage, der Plazenta hat maßgeblichen Einfluss auf die Prognose und Behandlung.

Aus diesem Grund unterscheidet man:

Tief sitzende Plazenta: Die tief sitzende Plazenta erreicht den Muttermund in der Regel nicht. Sie liegt deutlich tiefer, als das normalerweise der Fall ist. In der Mehrzahl der Fälle rutscht eine tief sitzende Plazenta im weiteren Schwangerschaftsverlauf weiter vom Muttermund weg.

Plazenta praevia marginalis: Die Plazenta praevia marginalis liegt der Mutterkuchen so, dass er den Muttermund berührt, aber noch nicht bedeckt. Auch bei dieser Form ist es sehr gut möglich, dass sich die Plazenta im Schwangerschaftsverlauf weit genug vom Muttermund entfernt.

Plazenta praevia partialis: Die Plazenta praevia partialis verdeckt zum Teil der Muttermund.

Plazenta praevia totalis: Die Plazenta praevia totalis bedeckt den gesamten Muttermund.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Plazenta praevia?

Besonders bei Schädigungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) kommt es häufiger zu einer Plazenta praevia. Zu den Risikofaktoren gehören die Mehrlingsschwangerschaft bzw. eine in der Vergangenheit bestandene Mehrlingsschwangerschaft und Vernarbungen der Gebärmutter durch operative Eingriffe. Hiermit sind Kaiserschnitte oder Abtreibungen durch Eingriffe wie Absaugung oder Ausschabung gemeint. Auch das Alter der Mutter (>35 Jahre) stellt ein Risikofaktor für die Plazenta praevia, sowie für viele weitere Komplikationen in der Schwangerschaft, dar.

Außerdem lässt sich ein tiefer und/oder Muttermund-bedeckender Sitz des Mutterkuchens besonders häufig bei Raucherinnen und Kokainabhängigen Frauen feststellen. Uterusanomalien, also eine angeborene, außergewöhnliche Form der Gebärmutter, steigern ebenfalls das Risiko für das Auftreten einer Plazenta praevia. Weitere relevante Risikofaktoren sind Multiparität (viele Schwangerschaften) und narbige Veränderungen der Gebärmutter. Auch wenn eine Schwangerschaft per In-vitro-Fertilisation, also durch eine künstliche Befruchtung, zustande gekommen ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine ungünstige Plazentalage zu.

Hinweis

Bleibt die Plazenta jedoch am Muttermund, kann das besonders bei der Geburt mit vielen Komplikationen verbunden sein und bedarf einer sorgfältigen Kontrolle. In manchen Situationen wird ein frühzeitiges Eingreifen in die Schwangerschaft nötig.

Was sind die Symptome einer Plazenta praevia?

Am häufigsten fällt den Betroffenen eine starke, plötzlich eintretende, hellrote, vaginale Blutung auf, die jedoch schmerzlos ist. Diese Blutung tritt meistens kurz vor dem Blasensprung oder nach Geschlechtsverkehr im 3. Schwangerschaftsdrittel auf. Da die Blutung unterschiedlich stark ausfallen kann, variieren die Beschwerden der Betroffenen enorm. Bei leichten, kurzen Blutungen bleiben die Betroffenen oft beschwerdefrei. Stärkere Blutungen, die nicht mehr von allein aufhören, bergen ein hohes Risiko für Mutter und Kind.

Achtung

Der Blutverlust kann so stark sein, dass sich eine lebensbedrohliche Situation für Mutter und Kind entwickelt.

Wie wird die Plazenta praevia diagnostiziert?

Oft wird die Plazenta praevia zufällig bei Routineuntersuchungen festgestellt, da in den Ultraschall-Untersuchungen auch nach Lage und Zustand der Plazenta geschaut wird.

Auch wenn die Plazenta praevia erst im Rahmen einer Blutung auffällig geworden ist, bleibt die Ultraschall-Untersuchung das Mittel der Wahl, um die Lage der Plazenta in der Gebärmutter festzustellen. Zusätzlich sollte eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, besonders um den Blutverlust beurteilen zu können. Zur Diagnosestellung gehören auch eine körperliche Untersuchung sowie ein ärztliches Gespräch mit der Betroffenen, vor allem über die gynäkologische Vorgeschichte und die Beschwerden.

Therapie bei Plazenta praevia

Die Therapie unterscheidet sich je nach Ausprägung der Beschwerden, dem Stand der Schwangerschaft, und der Lage der Plazenta. Verdeckt die Plazenta den Muttermund komplett, muss bei Entbindungstermin mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Wird der Muttermund nur minimal oder teilweise verdeckt, kann eine natürliche Geburt in Erwägungen gezogen werden. Hier müssen jedoch Risiken ermittelt und individuell entschieden werden.

Kommt es bei einer schwangeren Frau mit Plazenta praevia nach der 20. Schwangerschaftswoche zu akuten, vaginalen Blutungen, ist eine stationäre Behandlung sinnvoll. Das Ziel dieser Behandlung ist in erster Linie das Fortsetzen der Schwangerschaft, um dem ungeborenen Kind ausreichend Zeit für seine Entwicklung geben zu können. Dabei sollte nach Möglichkeit mindestens die 34. Schwangerschaftswoche erreicht werden. Um dieses Ziel zu erreichen und das ungeborene Kind auf eine mögliche frühzeitige Geburt vorzubereiten, kommen verschiedene Behandlungsmaßnahmen infrage. Besonders wichtig ist die sogenannte Lungenreife.

Lungenreife

Eine Lungenreife, beziehungsweise RDS-Prophylaxe, wird immer dann durchgeführt, wenn zwischen der 23. und 34. Schwangerschaftswoche eine Frühgeburt droht. Auf diese Weise soll dem Atemnotsyndrom des Frühgeborenen (engl. respiratoy disstress syndrome; RDS) vorgebeugt werden. Bei dieser Behandlungsmaßnahme wird der werdenden Mutter Kortison (Betamethason in einer Dosis von 12mg) in die Muskulatur verabreicht. Die Gabe des Kortisons ist dafür verantwortlich, dass die Lungenreife des Fetus beschleunigt wird. Nach ungefähr 24 Stunden wird der Mutter eine weitere Dosis verabreicht. Wichtig ist jedoch, dass zusätzlich zum Kortison, ein Medikament, dass Wehen hemmt (Wehenhemmer) verabreicht wird. Unter Kortison kann es nämlich zur Entstehung von Wehen kommen. In den meisten Fällen wird zur Wehenhemmung ein sogenanntes Beta-2-Sympathomimetika, wie Fenoterol verwendet.

Hat die Frau die 22. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht, so ist die Kortisongabe zur Lungenreife sinnlos. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Zellen der kindlichen Lunge noch nicht gut genug entwickelt sind.

Neben den Medikamenten zur Lungenreife und Tokolyse werden der Schwangeren Antibiotika verabreicht. Diese dienen dazu, Infektionen, die das Frühgeburtsrisiko steigern, zu verhindern. Je nach Ausmaß des Blutverlusts können zudem Transfusionen von Blutprodukten verabreicht werden.

Geburtsmodus

Im weiteren Verlauf kann dann die exakte Lokalisation der Plazenta ermittelt werden. Bei einer tief sitzenden Plazenta kann in den meisten Fällen eine vaginale Geburt angestrebt werden. Im Falle der Plazenta praevia marginalis muss mit den behandelnden Ärzten abgewogen werden, ob ein Kaiserschnitt nicht den sichereren Geburtsmodus darstellt. Tatsächlich werden bei, bis auf Ausnahmen, die meisten Mütter per Kaiserschnitt entbunden. Ungefähr zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wird bei Frauen mit Plazenta praevia partialis und totalis ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Es kommt aber auch vor, dass durch die Blutungen eine unmittelbare Gefahr für das Leben von Mutter und/oder Kind besteht. In diesen Fällen wird die Schwangerschaft umgehend mithilfe eines Kaiserschnitts beendet. Die Schwangerschaftswoche ist dabei irrelevant.

Achtung

Sobald stärkere Beschwerden oder eine lebensbedrohliche Situation für Mutter und/oder Kind besteht, sollte das Kind umgehend per Kaiserschnitt geboren werden.

Wie ist die Prognose einer Plazenta praevia?

In der Mehrzahl der Fälle verläuft die Plazenta praevia günstig. In seltenen Fällen kommt es zu schweren Komplikationen, hierzu gehören eine lebensbedrohliche Blutung sowie eine Fruchtwasserembolie. Diese Komplikationen können potenziell tödlich für die Mutter verlaufen. Auch das Kind kann bei einem schweren Verlauf Schäden (z.B. durch Sauerstoffmangel) davontragen und im schlimmsten Fall versterben.

Unter einer geeigneten Behandlung kann die Sterblichkeit der Mütter auf einen Wert von weniger als einem Prozent gesenkt werden. In etwa drei Prozent der Fälle versterben die Neugeborenen innerhalb der ersten sieben Lebenstage.

Wie kann man einer Plazenta praevia vorbeugen?

Wird die Plazenta praevia frühzeitig festgestellt, können anhand verschiedener Anpassungen des Lebensstils das Risiko für Beschwerden und einen komplizierten Verlauf verringert werden. Hierzu zählt der Verzicht oder die Reduzierung vaginaler Manipulationen (z.B. durch Geschlechtsverkehr oder Untersuchungen der Vagina mit einem Spekulum). Außerdem wird von Reisen mit langen Flugstrecken oder körperlich anstrengenden Sportarten abgeraten.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Plazenta praevia

Um vorzeitige Wehen, ein vorzeitiger Blasensprung oder Blutungen zu vermeiden, wird Betroffenen angeraten auf vaginale Manipulationen wie z.B. durch Geschlechtsverkehr, auf Langstreckenflüge, sowie auf starke körperliche Anstrengung zu verzichten.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Plazenta praevia

Da die Plazenta bei Geburt ebenfalls entfernt wird, wird somit die Blutung meistens gestillt. Wenn alle weiteren möglichen Komplikationen behandelt, beziehungsweise ausgeheilt sind, bedarf es neben den routinemäßigen, gynäkologischen Untersuchungen nach einer Schwangerschaft keine weitere, spezielle Nachsorge für eine Plazenta praevia. Das Risiko für die Entwicklung einer Plazenta praevia bei erneuter Schwangerschaft ist jedoch etwas erhöht.

Zusammenfassung

Die Plazenta praevia bedeutet eine falsche Lage des Mutterkuchens in der Gebärmutter der schwangeren Frau. Meistens fällt die Plazenta praevia durch schmerzlose, vaginale, hellrote Blutungen im 2. oder 3. Schwangerschaftsdrittel auf. Die Therapie richtet sich nach Lage, Schwangerschaftsstand und Ausmaß der Beschwerden.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Das Krankheitsbild der Plazenta praevia lässt sich in verschiedene Kategorien einteilen. Man unterscheidet dabei das Ausmaß der Verdeckung des Muttermundes. Der Muttermund ist die natürliche Öffnung der Gebärmutter, durch die das Kind bei der natürlichen Geburt geboren wird. Ist der Muttermund komplett von der Plazenta verdeckt, muss ein Kaiserschnitt gemacht werden. Ist der Muttermund nur minimal oder teilweise verdeckt ist prinzipiell eine natürliche Geburt möglich. Diese Entscheidung hängt jedoch sehr stark von verschiedenen Faktoren (z.B. Gesundheitszustand der Mutter und des Kindes, Schwangerschaftswoche, etc.) ab.

Die Plazenta praevia kann ohne Beschwerden und Komplikationen verlaufen. Sie kann aber auch – in seltenen Fällen – zu einer lebensbedrohlichen Situation für Mutter und Kind werden.

Plazenta praevia Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Plazenta praevia

Betroffene

Organe(e):

Uterus
Plazenta

Epidemiologie

  • ca. bei 0.5% aller Schwangerschaften (50% total oder partial 50% marginal oder tiefsitzende Plazenta)
  • Rezedivrate: 4-6%

Risikofaktoren

  • Multiparität
  • Zn Kaiserschnitt
  • hohes mütterliches Alter
  • Plazentaanomalie
  • Endometriale Minderperfusion
  • Reproduktionsmedizinische Verfahren
  • Drogenkonsum

Ursachen

  • unklar

Symptome

  • Vaginale Blutungen

Komplikationen

  • Hämorrhagischer Schock
  • Postpartale Blutungen
  • Sepsis
  • Frühgeburtlichkeit
  • intrauterina Wachstumsretardierung

Diagnose

  • Anamnese
    • Sind sie schwanger?/ Könnten sie schwanger sein?
    • Haben sie vaginale Blutungen?
    • Haben sie Schmerzen im Unterleib?
    • Wurde bei ihnen eine Plazenta praevia oder eine tiefliegende Plazenta diagnostiziert?
    • Hatten sie in einer vorherigen Schwangerschaft eine Plazenta praevia?
    • Hatten sie einen Kaiserschnitt?
  • Gynäkologische Untersuchung
    • Vorsicht bei vaginaler Untersuchung!!!
    • Kontrolle der Vitalparameter bei Mutter und Kind
    • CTG: Kontrolle der kindlichen Versorgung
    • Palpation von Abdomen und Uterus
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung: Hb Kontrolle, Blutgerinnung, Kreuzblut (Blutprodukte bereitstellen lassen)
  • Ultraschalluntersuchung
    • Sono Abdomen: Vitalitätskontrolle des Kindes, Darstellung der Plazenta
    • Vaginal Sono: Abstand zum inneren Muttermund, Ausschluss einer Plazentalösung

Laborwerte

  • hb Erniedrigt

Therapie

  • Konservative Behandlung

Präventionsmaßnahmen

  • Aufklärung
  • Verzicht auf vaginale Manipulation
  • Verzicht auf Geschlechtsverkehr

Prognose

  • Maternale Sterblichkeit: 1%
  • Fetale Sterblichkeit: 10%
  • Rezidivrisiko: 8%

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