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Gesundheit von A-Z

Nierenentzündung

Bild das Nierenentzündung veranschaulicht.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Nierenentzündung?

Im Körper gibt es zwei Nieren. Sie sehen aus wie zwei große Bohnen und befinden sich unter dem Brustkorb, links und rechts nahe der Wirbelsäule.

Sie filtern vor allem das Blut und bilden dadurch den Urin. Mit dem Urin werden unter anderem Abfallstoffe und auch manche Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden. Außerdem bilden die Nieren Botenstoffe und helfen dabei, den Blutdruck zu regeln. Der Blutdruck an sich ist sehr wichtig für die Filter-Leistung der Nieren. Die Nieren sind sehr empfindlich und können nur in einem bestimmten Blutdruckbereich optimal arbeiten.

Wissenswert

Die besteht aus zahlreichen harnbildenden Einheiten, den Nephronen. Jede der menschlichen Nieren enthält 1 bis 1,4 Mio. Nephrone. Das Nephron selbst besteht aus einem Nierenkörperchen (Corpusculum renis) und einem langen Schlauch (Tubulus-Apparat) in dem verschiedene Filter- und Rückgewinnungs-Prozesse stattfinden.

Im Nieren-Körperchen befindet sich der Glomerulus (auch Glomerulum genannt), ein Gefäßknäuel. Dieses Gefäßkäul ist eine Filterneinheit. Hier wird der sogenannte Primärharn abfiltriert.

Die Nephritis bedeutet Nieren-Entzündung. Es handelt sich bei diesem Ausdruck aber um einen Sammelbegriff für die  plötzlichen (akuten) oder dauerhaften (chronischen) entzündlichen Erkrankungen der Niere. Oft betreffen solche Nieren-Erkrankungen beide Nieren. Sie sind also meist doppelseitig und sehr schmerzhaft.

Die Ursachen sind vielfältig und nicht immer bekannt. Mögliche Ursachen können Medikamente, Infekte, verschiedene System-Erkrankungen, wie zum Beispiel Gefäß-Entzündungen oder Schäden durch Gift-Stoffe sein. Kälte durch fehlende Unterhemden, wie Eltern gerne behaupten, lösen keine Nierenentzündungen aus.

Ort der Entzündung

Die entzündlichen Nieren-Erkrankungen kann man nach dem Ort der Entzündung in 3 Gruppen einteilen:

Nieren-Körperchen

Eine Nieren-Erkrankung mit primärer Entzündung der Nieren-Körperchen (Glomerulo-Nephritis), die in der Fachsprache als Glomeruli bezeichnet werden, kann sich in vielen verschiedene Formen darstellen. Hier gibt es insgesamt acht verschiedene Formen. Oft spielen hierbei Erkrankungen oder Fehl-Regulationen des Immun-Systems eine große Rolle.

Nieren-Kanälchen

Entzündung der Nieren-Kanälchen (Tubuli) und des umgebenden interstitiellen Nierengewebes, etwa 2–3 % aller Nieren-Gewebeproben, ca. 7–15 % aller Fälle von plötzlichem Nierenversagen. Die jährliche Auftritts-Häufigkeit nimmt zu, Ursachen vor allem medikamentös (Antibiotika, NSAR, Diuretika, Allopurinol, Omeprazol) oder infektös (Hanta-Virus) oder begleitend zu anderen bakteriellen Erkrankungen (Streptokokken, , Legionellen u.a.), Stoffwechselerkrankungen.

Nierenbecken

Entzündung des Nierenbeckens (Pyelon) und des angrenzenden Nierenparenchyms, meist durch bakterielle Infektionen (meist ist E. coli der Erreger) verursacht, kann einseitig (häufiger) oder beidseitig auftreten, Frauen erkranken aufgrund der kürzeren Harnröhre zwei bis drei mal öfter als Männer.

Desweiteren sind Patienten häufig betroffenen, die an Harnabfluss-Störungen leiden. Diese werden zum Beispiel durch , Tumore oder eine vergrößerte Prostata bei Männern hervorgerufen.

Auch ein geschwächtes Immunsystem, welches durch Erkankungen wie , Infektionen durch zum Beispiel HIV oder nach Transplantationen entsteht, sind anfälliger für diese Art von Entzündungen.

Es kann aber auch andere Ursachen geben, wie unter anderem angeborene Fehlbildungen der Harnwege, ein krankhafter Rückfluss von Urin in Richtung der Nieren oder ein möglicher Fremdkörper im Harn-ableitenden System. Eine solche Entzündung des Nierenbeckens kommt auch bei Frauen in der Schwangerschaft etwas häufiger vor.

Was sind die Symptome einer Nierenentzündung?

Symptome je nach Ort der Entzündung

Die Symptome können bei den verschiedenen Arten von Nieren-Entzündungen sehr vielseitig sein.

Die Symptome einer Glumerulo-Nephritis sind , einen Eiweiß-Anteil im Urin von unter 3 - 3,5 g/Tag, einen erhöhten Blutdruck durch einen Rükhalt von Salz und Wasser im Körper, einen erniedrigten Albumin-Spiegel im Blut, erhöhte Blutfett-Werte, ein erhöhtes Rsiko für Gefäßverschlüsse, Wasseransammlungen im Gewebe und vor allem eine sich rasch verschlechternde Nierenfunktion.

Bei einer Tubulointertitiellen Nephritis sind unspezifische Symptome wie , und Gelenkschmerzen aber auch spezifischer ein erhöhter Eiweiß-Gehalt im Urin Hinweis gebend.

Bei einer Pyelo-Nephritis kommt es häufig zu einem plötzlich einsetzenden und schweren Krankheitsgefühl mit Fieber und Schüttelfrost. Hierbei muss man eine Ausnahme beachten: etwa ein Drittel der älteren Patienten haben bei einer Pyelo-Nephritis kein Fieber aber dafür starke Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und in der .

Weitere typische Symptome hier sind Flankenschmerzen, Klopf- und Druckschmerz im Bereich der Nieren, Übelkeit, Schwindel und bei schwerem Verlauf auch Erbrechen. Dazu kommen auffallend häufige Blasenentleerungen bei nicht erhöhter Harnmenge. Das Wasserlassen ist erschwert, schmerzhaft und brennend (Dysurie) und der Urin blutig.

In bildgebenden Verfahren, wie beispielsweise dem Ultraschall, kann man hier oft herdförmige und/oder kleine diffuse Herde/Abszesse auf der Nieren-Oberfläche erkennen und im Inneren der Nieren streifenförmige Eiterstraßen vom Mark zur Rinde.

Durch Zerstörungen von Nieren-Kanälchen und Nieren-Körperchen, wie es bei einer unbehandelten Nierenbeckenentzündung meist der Fall ist, kommt es dann zu einer Narbenbildung und somit zu einer Gewebeveränderung.

Bei der akuten Pyelo-Nephritis ist die Nierenfunktion nicht eingeschränkt. Bei der unbehandelten und damit dann chronischen Form kann das Beschwerdebild anfangs manchmal fehlen. Hier stehen dann eher unspezifische Symptome wie Leistungsminderung, Kopfschmerzen, mit , oder häufiges Wasserlassen bei nicht erhöhter Urin-Menge im Vordergrund. Der Verlauf ist schleichend oder schubweise.

Wie wird die Nierenentzündung diagnostiziert?

Durch Untersuchungen des Blut-Serums lässt sich die genaue Diagnose eingrenzen. Eine definitive Diagnose ist nur durch eine Gewebe-Entnahme (Nierenbiopsie) möglich. Im Mittelpunkt stehen außerdem die Untersuchung von Blut und Urin. Erhöhte Entzündungsparameter finden sich häufig.

Eine Einschränkung der Nieren-Leistung an sich lässt sich bestimmten durch die Ermittlung der GFR (Glomeruläre Filtrationsrate). Lässt die Filter-Leistung der Nieren nach sinkt die GFR und verschiedene Parameter im Blut steigen an (z.B.Harnstoff).

Es gibt verschiedene Formeln um die GFR zu ermitteln, die verschiedene, weitere Faktoren mit einbeziehen, die entscheidende Werte beeinflussen (z.B. Menge der vorhandenen Muskelmasse),

Therapie bei Nierenentzündung

Behandlung je nach Ort der Entzündung

Je nach Form der Erkrankung variieren auch die Behandlungs-Methoden. Dabei sollte jedoch zur Behandlung der Typ der Erkrankung bekannt sein.

Nieren-Körperchen

Es kommen in der Regel Therapien zum Einsatz, welche das Immunsystem hemmen.

Nieren-Kanälchen

Die wichtigste Maßnahme besteht in der Meidung der auslösenden Faktoren. Oft ist hier eine Therapie mit intravenösen oder oralen Kortikoiden (Steroide) zu empfehlen.

Nierenbecken

Bei der Therapie einer Nierenbeckenentzündung behandelt man zuerst mit unspezifischen Maßnahmen. Dazu zählt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mehr als zwei Liter pro Tag um die Harnwege gut durch zu spülen.

Somit möchte man die Keimzahl verringern und den, durch das Fieber entstandenen Flüssigkeitsverlust, ausgleichen. Es gilt eine starke Empfehlung zu einer Bettruhe.

Hinweis

Eine Therapie mit Antibiotika ist dann zu empfehlen, wenn die Erkrankung über mindestens zehn Tage anhält. Bei einer schweren Infektion setzt man Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder auch sogenannte Breitspektrum-Cephalosporine ein.

Eine Kombination der beiden ist auch möglich. Zur Anwendung kommen außerdem , Piperacillin mit Tazobactam sowie Imipenem.

Antibiotika sollten immer mit dem Arzt abgeklärt werden und müssen in jedem Fall bedacht und genau nach Plan eingenommen werden!

Bei Schwangerschaft ist dazu immer eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Bei einer Pilzinfektion setzt man eine Therapie mit Antimykotika an. Die bei einer am häufigsten genutzten Antimykotika sind Fluconazol und Amphotericin B.

Ein chirurgischer Eingriff ist nötig, wenn trotz der oben genannten Prozedere keine Besserung eintritt. Zu den Symptomen, die meistens eine Operation benötigen, zählen zum Beispiel eine bestehende und anhaltende Harnabflussstörung, Abszesse und Emphyseme.

Wie ist die Prognose einer Nierenentzündung?

Generell ist die Progonse der unterschiedlichen Nephritiden sehr induviduell und werden von der Art/ Form der Erkranknung beeinflusst.

Tubulointerstitielle Nephritis

Nach "Entfernung" der auslösenden Faktoren heilen ca. 60 Prozent der Fälle aus. In den anderen 40 Prozent entwickelt sich eine dauerhafte (chronische) Nierenerkrankung. Die chronische Verlaufsform endet meist in einem Nieren-Versagen (terminale Nieren-Insuffizienz). Das Risiko für Krebs-Erkrankungen der Harnwege ist erhöht.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Nierenentzündung

Tubulointerstitielle Nephritis: Therapieversuch mit Mycophenolat-Mofetil (MMF) werden aktuell versucht.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Nierenentzündung

Nachsorge-Untersuchungen sind abhängig vom Ausmaß und Verlauf der Erkrankung. Eine Kontrolle der Nieren- und Blutwerte ist nach durchgemachter Erkrankung die Regel. Im Falle eines eingetratenen Nieren-Versagens kommt es normalerweise nicht zur Ausheilung sondern durch dauerhaften Therapie mittels Nieren-Ersatz-Verfahren (Dialyse).

Zusammenfassung

Nierenentzündungen sind vielfältig bedingt und erscheinen in zahlreichen unterschiedlichen Ausprägungen. Ensprechend unterschiedlich sind auch Behandlungs-Optionen und Therapie-Möglichkeiten.

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Nierenentzündung

Nephritis
Betroffene

Organ(e):

Nieren

Epidemiologie

  • Lebzeitprävalenz: rund 10 bis 20% der Bevölkerung mind. 1 mal im Leben betroffen.

Risikofaktoren

Stoffwechselkrankheiten
dauerhafter Blasenkatheterisierung

Ursachen

Autoimmun
Medikamente
Bakterien
Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)

Symptome

Fieber
Gelenkschmerzen
Flankenschmerzen

Komplikationen

Funktionseinschränkung der Niere
Urosepsis
Nierenabszesse

Diagnose

Anamnese
  • Haben sie Fieber?
  • Leiden sie an Gelenkschmerzen?
  • Haben sie Schmerzen in den Flanken?
  • Nehmen sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja, welche sind das?
  • Leiden sie an einer Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes)?
Körperliche Untersuchung
  • Abklopfen der Nierenlager
Laboruntersuchung
  • Urinuntersuchung: Eiweiß, Blut
  • Blutuntersuchung: Enzündungsparameter (CRP, Leukozyten, BSG), Eiweiß, Blutfettwerte
Ultraschalluntersuchung
  • Darstellung der Nieren
Biopsie
  • Gewebeentnahme aus der betroffenen Niere

Laborwerte

CRP
Erhöht
Leukozyten
Erhöht
BSG
Erhöht
Gesamteiweiß
Erniedrigt
Triglyzeride
Erhöht
LDL-Cholesterin
Erhöht

Differenzial Diagnose

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Therapie

  • Medikamente
  • Dialyse
  • Transplantation

Prognose

  • Bei frühzeitiger Einleitung einer adäquaten Behandlung ist die Prognose gut.

Begriffe

  • Diabetes mellitus

    Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.

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