Geschrieben von Leonard Schwarz
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung gehört, wie der Name bereits vermuten lässt, zu den Persönlichkeitsstörungen.
Persönlichkeitsstörungen sind Verhaltens-Muster und Zustände, die deutlich von den in einer Gesellschaft zu erwartenden und akzeptierten Regeln und Normen abweichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es regionale und kulturelle Besonderheiten (zum Beispiel andere Verhaltensregeln in verschiedenen Kulturen) gibt, von denen Persönlichkeitsstörungen dann abgegrenzt werden müssen.
Diese abweichenden Verhaltensmuster beginnen in der Regel gegen Ende der Jugend und sie sind regelhaft auch sehr tief verwurzelt. Das heißt, das gezeigte Verhalten wird kaum an sich verändernde Umstände angepasst. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie kaum zu beeinflussen sind. Das führt in aller Regel dazu, dass solche Erkrankungen nur sehr schwer zu therapieren sind.
Es handelt sich eher um eine Diagnose aus dem Bereich der Erwachsenen. Etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung leiden an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Dabei erhalten Männer die Diagnose häufiger als Frauen. Es wird angenommen, dass sich Betroffenen tendenziell eher aufgrund anderer psychischer Erkrankungen in Behandlung begeben haben. Viele leiden an Depressionen, weiteren Persönlichkeitsstörungen, somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden ohne organische Ursache), Ängsten, Essstörungen oder Suchtproblemen.
Bei Kindern spricht man eher von Persönlichkeits-Entwicklungs-Störungen. Typisch ist, dass das gesellschaftlich abweichende Verhalten von den Betroffenen selbst nicht als abweichend erlebt/wahrgenommen wird. Dauerhaft kommt es meist zu Störungen im sozialen und beruflichen Leben und dadurch zu einem steigenden Leidensdruck der Betroffenen. Die Nazistische Persönlichkeitsstörung wird umgangssprachlich auch im weitesten Sinne für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen verwendet.
Ob man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ein Faktor scheint in den Erb-Informationen (Genen) zu liegen. Die Rolle des genetischen Anteils scheint bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung eine größere Rolle zu spielen als bei anderen Persönlichkeitsstörungen. Auch Umwelteinflüsse spielen eine Rolle. Die Wurzeln des Narzissmus werden von Wissenschaftlern oft in der Kindheit gesehen. Die Theorien über die Entstehung variieren jedoch stark. Einigkeit besteht nur darüber, dass die narzisstische Störung auf ungünstige Erfahrungen und Interaktionen mit wichtigen Bezugspersonen zurückzuführen ist.
Eine der führenden Theorien geht davon aus, dass emotional kalte oder latent aggressive Eltern eine übersteigerte Selbstdarstellung fördern. Kinder, die wenig Anerkennung erhalten, bewältigen diese Verletzung des Selbstwerts durch den Fokus auf Leistungen, für die sie gelobt werden (zum Beispiel Schulleistungen).
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung im medizinischen Sinne gehört der Klassifikation nach zu den sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen (F60.8). Es existiert außerdem eine sogenannte Cluster-Einteilung (nach DSM-5). Dieser Klassifikation nach gehört die narzisstische Persönlichkeitsstörung zu Cluster B. Das heißt, sie zeichnet sich durch Impulsivität, Emotionalität und "Drama" aus.
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeit haben ein extremes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bewunderung. Wobei sie dies, wie bereits angesprochen, eher nicht selbst realisieren. Oft fallen sie durch Arroganz und Selbstidealisierung auf. Das kann sich zum Beispiel in Diskussionen zeigen.
Betroffene sind dabei in der Regel überzeugt, dass ihre Meinung auf jeden Fall richtig ist und lassen andere Argumente nicht zu. Es ist äußerste schwer für Erkrankte Kritik ertragen zu ertragen. Oft beziehen sie Kritik auf sich persönlich und als Abwertung. Misserfolg, der auch nicht zwangsläufig selbstverschuldet sein muss, kann sie in schwere Krisen stürzen. Narzisstische Personen haben meist große Schwierigkeiten, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Dadurch wirkt das Verhalten anderen gegenüber oft herablassend. Der Umgang mit Narzissten ist daher sehr herausfordernd.
Wichtig ist es, zwischen Narzissmus und einer echten narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden. Narzissten sind in der Regel sehr ehrgeizig. Sie haben oft Führungspositionen inne und können mitunter ein sehr erfolgreiches Leben führen. Wenn der Narzissmus so stark ausgeprägt ist, dass er bei Betroffenen und seiner Umwelt zu Leid führt, kann der Narzissmus als krankhaft (pathologischer Narzissmus) betrachtet werden.
Der Übergang von der Persönlichkeitseigenschaft zur Störung ist fließend und daher die Unterscheidung schwierig. Trotz vielfältiger Diskussion in der Gesellschaft, deren Anfänge geschichtlich belegbar schon in der griechischen Mythologie liegen, ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung jedoch immer noch wenig erforscht.
Die Diagnose erfolgt über Arzt-Patienten-Gespräche. Oft sind mehrere davon notwendig. Die Diagnose wird in der Regel durch Psychiater gestellt. In der Psychiatrie (und in der Psychotherapie) werden krankhafte Veränderungen und Störungen der Gefühle, des Denkens, aber auch der Stimmungen, des Antriebs, des Gedächtnisses oder des Erlebens und Verhaltens untersucht und behandelt.
Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV) müssen mindestens 5 der folgenden Symptome für die Diagnose der narzisstischen Persönlichkeitsstörung vorliegen:
Die Betroffenen
Die Narzissmus-Symptome sind allerdings selten wirklich eindeutig. Über lange Zeit ging man davon aus, dass die narzisstische Persönlichkeitsstörung mit einem hohen Selbstwert einhergeht. Neuere Studien zeigen aber, dass der Selbstwert der Betroffenen in der Regel niedrig ist. Betroffenen versuchen ihre Selbstwertzweifel durch ihre selbstherrliche Selbstdarstellung verbergen und sich so weniger angreifbar und weniger verletzlich zu machen.
Sie haben oft eine große Angst vor Zurückweisung und Ablehnung. Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden vielmehr unter innerer Leere. Oft wird versucht, diese innere Leere durch die Anerkennung anderer Menschen auszugleichen.
Wichtig bei der Diagnosefindung ist die Abgrenzung zu anderen Persönlichkeitsstörungen wie der histrionischen Persönlichkeitsstörung (gekennzeichnet durch egozentrisches und theatralisches Verhalten) und einer Borderline-Störung.
Persönlichkeitsstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie kaum zu beeinflussen sind. Das führt in aller Regel dazu, dass solche Erkrankungen nur sehr schwer zu therapieren sind. Persönlichkeitsstörungen sind nicht generell behandlungsbedürftig – Therapien werden dann notwendig, wenn der Leidensdruck für die Person (und/oder die Umwelt) oder die Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben zu stark werden.
Aufgrund der tiefen „Verwurzelung“ in der Psyche ist die Therapie von Persönlichkeitsstörungen generell schwierig. Bei schweren Ausprägungen werden Therapie-Versuche schon aufgrund des Leidensdrucks für den Patienten (und/oder die Umwelt) oder die Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben zumeist unumgänglich.
Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen jeweiligem Therapeut und dem Betroffenen ist dabei ausgesprochen wichtig. Von großer Bedeutung ist in der Regel auch im Rahmen einer solchen Therapie gemeinsam realistische (also wirklich erreichbare) Ziele abzustecken, um den Erfolg zu kontrollieren und die Motivation zu stärken.
Es hat sich als sehr nützlich erwiesen, Betroffene über Ihre Erkrankung aufzuklären und ihn und unter Umständen auch nahestehende Angehörige im Umgang mit den Erkrankungen und deren Auswirkungen zu schulen (Psychoedukation). Zudem stehen verschiedene psychotherapeutischen Verfahren zur Verfügung, die häufig auch durch eine medikamentöse Therapie in Abhängigkeit von der Art der Symptome (z.B. Antipsychotika bei wahnhaften Aspekten) unterstützt wird. Ziel ist hierbei v.a. die Verbesserung der Lebenssituation der Patienten.
Besonders in Partnerschaften ist eine Behandlung der Betroffenen und meist auch des Partners sehr wichtig. Berichte von Betroffenen und Austausch so wie Beratung erhalten sie auf zahlreichen Seiten im Internet. Es steht außerdem eine sehr große Auswahl an Büchern zu diesem Thema zur Verfügung. Da die Geschichten sehr unterschiedlich sein können, soll hier keine konkrete Empfehlung erfolgen.
Zur Prognose lassen sich aufgrund der individuellen Ausprägung der Beschwerden leider keine Aussagen treffen. Im eigentlichen Sinne kann man daher nicht davon ausgehen, dass Narzissmus heilbar ist. Es handelt sich um Teile und Verwurzelung verschiedener Merkmale in der ursprünglichen Persönlichkeits-Struktur. Verschiedene Verhaltensweisen wurden über Jahre und Jahrzehnte hinweg erlernt und sind nicht ohne Weiteres abzustellen oder zu verändern. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen reduzieren sich die Symptome, dank einer Therapie, innerhalb von circa 2 Jahren.
Eine günstige Prognose haben dabei Betroffene, die Erfolgserlebnisse haben und gute Beziehungserfahrungen machen. Je besser die Selbstwahrnehmung wird, desto leichter wird es auch, die narzisstischen Züge selbst zu erkennen und selbst daran zu arbeiten. Misserfolge im Leben und Drogen- oder Alkoholmissbrauch verschlechtert die Prognose hingegen.
Durch die narzisstische Persönlichkeitsstörung haben Betroffene ein erhöhtes Selbstmord-Risiko (Suizidrisiko). Die Suizidrate liegt bei 14 Prozent.
Da man nicht von einer Heilbarkeit der Erkrankung ausgeht, müssen sich Betroffene oft ein Leben lang mit der Erkrankung auseinandersetzen.
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung kann als Erkrankung betrachtet werden, bei der Betroffene mit übermäßigem Ehrgeiz, übersteigert wirkendem Selbstwertsgefühl, Arroganz und fehlender Empathie auffallen. Wenn der Narzissmus so stark ausgeprägt ist, dass er bei Betroffenen und seiner Umwelt zu Leid führt, kann der Narzissmus als krankhaft (pathologischer Narzissmus) betrachtet werden. Die Behandlung ist aufgrund der häufig fehlenden Krankheitseinsicht schwierig.
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Geschrieben von
Leonard Schwarz
Medizinisch geprüft am
11. Nov. 2022
Das kann nicht pauschal beantwortet werden. Das ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig.
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