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Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose MS ist eine entzündliche Erkrankung, die das Gehirn und das Rückenmark der Patienten betrifft. Es handelt sich demnach um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie zählt zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen, was bedeutet, dass eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems die Krankheit verursacht.

Warum genau sich diese entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems entwickelt, ist auch bis heute noch weitestgehend unklar. Bisher lässt sich allerdings ein gehäuftes Auftreten in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland beobachten.

Wissenswert

Weltweit sind mehr als 2 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen. In Deutschland geht man von etwa 122 000 Patienten mit Multipler Sklerose aus.

Die Themen Risikofaktoren und Ursachen spielen bei der MS Forschung eine entscheidende Rolle. Die Multiple Sklerose tritt etwa zwei- bis dreimal häufiger bei Frauen im Vergleich zu Männern auf. Das Erkrankungsalter liegt zwischen 20-40 Jahren, mit einer Spitze bei 30 Jahren. Selten können auch schon Kinder an der Erkrankung leiden oder eine erste Diagnose bei über 40-Jährigen gestellt werden.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Multiplen Sklerose?

Bei der Multiplen Sklerose werden bestimmte Teile des Nervensystems (unter anderem das Gehirn und Rückenmark) zerstört, sodass eine Informationsfortleitung von Zelle zu Zelle mit der Zeit immer langsamer vonstattengehen kann.

Genauer erklärt: Das Gewebe des Gehirns ist in eine weiße und eine graue Substanz unterscheidbar. In der grauen Substanz befinden sich die Körper der Nervenzellen, aus denen das Gehirngewebe besteht. Um eine Verbindung mit anderen Zellen zu ermöglichen, bilden die Zellkörper Fortsätze aus. Einige Fortsätze haben außen herum eine weißlich erscheinende Umhüllung („Myelinscheiden“). Die Fortsätze mit ihrer Umhüllung heißen Nervenfasern.

Diese Umhüllung dient zur schnelleren Informationsweitergabe von einer zur nächsten Nervenzelle. Man kann sich die Myelinscheiden wie die isolierende Schicht um Stromkabel vorstellen. Auch Nerven leiten im weitesten Sinne Strom.

Damit dieser Strom gezielt und schnell in verschiedene Richtungen geleitet werden kann, bedarf es einer elektrischen Isolierung – für die Nervenzellen sind das also die Myelinscheiden. Dies beeinträchtigt die Neurologie des Patienten ganz entscheidend.

Im Rahmen der MS kommt es zu entzündlichen Veränderungen der weißen Substanz, genauer gesagt: zur Zerstörung der Myelinscheiden (Demyelinisierung). Der Grund für diese Entzündung ist vermutlich eine sogenannte Autoimmun-Reaktion: Das bedeutet, dass das Abwehrsystem des eigenen Körpers die Struktur fälschlicherweise als „bösen Eindringling“ erkennt und angreift.

Die genaue Ursache dafür ist nach aktuellem Wissensstand allerdings noch nicht geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren zusammenspielen müssen, damit die Multiple Sklerose auftritt.

Zum einen ist die Erkrankung genetisch bedingt, also durch Fehler im Erbgut, zum anderen können Umweltfaktoren ebenfalls als Risiko genannt werden: Zigaretten-Rauchen, UV-B-Strahlung (durch Sonnenlicht und Solarium-Besuche), Übergewicht, Vitamin-D-Mangel oder manche Infektionen (z.B. Epstein-Barr-Virusinfektionen) werden zum Beispiel mit der Entstehung der Multiplen Sklerose in Zusammenhang gebracht.

Bei vielen MS-Patienten verschlechtern sich die Beschwerden bei Hitze/Wärme und verbessern sich bei niedrigen Temperaturen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten Uthoff-Phänomen.

Was sind die Symptome einer Multiplen Sklerose?

Die MS tritt häufig (aber nicht immer) schubförmig auf.

Die Definition eines MS-Schubs ist das Neu-Auftreten oder Erneut-Auftreten von Symptome, die

  • mindestens 24 Stunden anhalten
  • mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 30 Tagen zum vorherigen Schub beginnen (nur so zählt er als neuer Schub)
  • nicht durch andere Erkrankungen zurückzuführen sind (z.B. dürfen Beschwerden nicht durch Fieber oder Infektionen auftreten)

Die Symptome entwickeln sich in der Regel innerhalb von Tagen bis zu 2 Wochen, bleiben dann einige Tage bis Wochen bestehen und bilden sich daraufhin meistens wieder zurück, wobei bleibende Schäden entstehen können.

Verlaufsformen Multipler Sklerose

Je nachdem wie die Schübe auftreten, lassen sich verschiedene Verlaufsformen unterscheiden. Die unterschiedlichen Verlaufsformen werden unterschiedlich behandelt und haben auch unterschiedliche Prognosen. Die Verlaufsformen sind:

Auftreten von Beschwerden im Rahmen von Schüben, die sich vollständig oder unvollständig zurückbilden. Zwischen den Schüben beobachtet man keine Zunahme der Symptome.

Der Verlauf kann, aber muss nicht, in eine SPMS – also eine sich langsam fortschreitende Verschlechterung - übergehen. Diese Form ist mit ca. 80-90 % aller MS-Erkrankungen die eindeutig häufigste.

Kontinuierliche Beschwerdezunahme (mit oder ohne Schüben) nach vorherigem schubförmigen Verlauf. Das bedeutet, dass sich die sekundäre progrediente MS aus der oben genannten schubförmigen Form entwickelt.

Stetige Beschwerdezunahme seit Krankheitsbeginn (kein vorheriger schubförmiger Verlauf). Bei etwa 10 % der Betroffenen findet man diese Verlaufsform.

Oft beginnt die MS mit einem einzelnen Symptom, das sich innerhalb einiger Tage entwickelt und dann wieder verschwindet – manchmal bleibt ein Schaden bestehen. Diese ersten Symptome können bei erstmaligen Auftreten auch als Sonderform gesehen werden.

Das wird dann "klinisch isoliertes Syndrom (KIS)" genannt:

Das KIS kann also als beginnende MS betrachtet werden, wobei aus einem KIS eine MS entstehen kann, aber nicht muss.

Typische Frühsymptome bzw. Symptome eines KIS sind:

  • (einseitige) Optikusneuritis (dies ist eine Entzündung des Sehnervens) Sie kann prinzipiell auch bei anderen Erkrankungen auftreten, ist jedoch sehr typisch für die Multiple Sklerose. Dabei merkt der Patient, eine plötzlich auftretende Einschränkung der Sehfähigkeit. Insbesondere, kommt es zu einer Minderung der Sehkraft, einem Verlust des Sehens oder zu Doppelbildern. Auch Beeinträchtigungen des Farbsehens werden häufig als typische Sehstörungen bei einer MS beschrieben. Da es sich hierbei um eine Entzündung handelt, ist es möglich, dass der Patient auch Schmerzen empfindet.
  • Gefühls- und Bewegungsstörungen Parästhesien (das sind Missempfindungen, z.B. Kribbeln an verschiedenen Stellen des Körpers), Gefühlsausfälle und Schmerzen oder auch Koordinationsstörungen beim Ablauf von einfachen Bewegungen kommen häufig vor.
  • Schwächegefühl in den Beinen Bei Multipler Sklerose zeigt sich das Schwächegefühl in den Beinen vor allem nach Belastung.

Im weiteren Verlauf können dann noch andere Symptome hinzukommen:

  • Lähmungen der Arme und/oder Beine
  • Zittern bei gezielten Bewegungen
  • Schluckstörungen
  • Störungen der Augenbewegung
  • Chronische Erschöpfung und Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Störungen beim Harn lassen oder Stuhlgang
  • Psychische Leiden, die von depressiver Verstimmung bis hin zur euphorischen (=“überglückliche“) Stimmungslage reichen

Wie wird die Multiple Sklerose diagnostiziert?

Untersuchungen bei Multiple Sklerose

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer Multiplen Sklerose gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Hinweis gebend für eine MS ist meist das Anamnesegespräch (also ein Gespräch über die Krankheitsgeschichte) zwischen Arzt/Ärztin und Patienten (Arzt-Patienten-Gespräch). Im Zuge dieses Gesprächs werden Fragen zu aktuellen Beschwerden (Dauer, Beginn, Ausprägung, Verlauf etc.), Vorerkrankungen und Operationen, familiären Erkrankungen, aber auch zu Lebensumständen in beruflicher, sozialer und familiärer Hinsicht, gestellt.

Es gibt darüber hinaus Fragebögen, die die Beschwerden in verschiedenen Lebensbereichen erfassen können und bei der Diagnosefindung unterstützen.

Im Falle einer MS ist es nicht bloß wichtig, das Leiden als solches nachzuweisen. Besonders wichtig ist es auch, das individuelle Risiko des betroffenen Patienten und die genaue Ursache für das Auftreten derartiger Krankheiten zu ermitteln.

Nur auf diese Weise kann bei dem beeinträchtigten Patienten die bestmögliche Behandlung geplant werden. Denn diese richtet sich vor allem nach dem Ausmaß der Behinderungen.

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch folgt eine ausführliche körperliche Untersuchung mit verschiedenen, spezifischen Tests. In vielen Fällen (70 %) zeigt sich dabei der sogenannte erloschene Bauchhautreflex.

Der Bauchhautreflex beschreibt das Zusammenziehen von Teilen der Bauchmuskulatur, wenn man seitlich über die Haut am Bauch streicht. Wenn dieser Reflex nicht mehr stattfindet, sagt man, er ist "erloschen". Ein weiteres typisches Zeichen sind elektrische Missempfindungen beim starken Beugen des Kopfes nach vorn.

Die Betroffenen empfinden dann kleine Stromstöße im Bereich des Nackens und im Verlauf auch weiter in Richtung der Beine, so ähnlich als hätte man einen elektrischen Weidezaun berührt.

Mithilfe eines kleinen Hämmerchens können Muskeleigenreflexe getestet werden, z.B. am Knie (Patellar-Sehnen-Reflex). Bei der Multiplen Sklerose sind diese Muskelreflexe gesteigert, das heißt, dass eine überschießende Bewegung ausgelöst werden kann.

Störungen der Bewegungs-Koordination oder Empfindungsstörungen können ebenfalls in Richtung einer MS deuten und werden durch typische Tests (Auf- und Abstreichen an den Beinen, Kraftübungen etc.) getestet.

Anschließend muss unbedingt eine Blutuntersuchung gemacht werden, vor allem, um andere Ursachen der Symptome auszuschließen. Die MS selbst kann im Blut nicht nachgewiesen werden.

Zur weiteren Beurteilung veranlasst der Arzt dann im Normalfall eine MRT-Untersuchung, bei der „Bilder“ des Inneren des Kopfes gemacht werden können. Dabei kann der erfahrene Arzt typische Veränderungen der Hirnstruktur sehen.

Auch im Hirnwasser (lat. „Liquor) sind oft typische Veränderungen nachweisbar. Um den Liquor untersuchen zu können, muss eine Probe durch einen kleinen Stich im Bereich des unteren Rückens erfolgen, durch die dann minimale Mengen des Hirnwassers entnommen werden („Liquorpunktion“).

Zusätzlich kann man verschiedene Ströme am Körper messen („Nervenleitgeschwindigkeit“). Diese Messungen können Aufschluss darüber geben, wie gut die Nerven den elektrischen Strom leiten.

Als Hilfe bei der endgültigen Diagnostik der Multiplen Sklerose werden die „Diagnosekriterien nach McDonald“ herangezogen, bei denen sowohl die Ausprägung der Schübe, als auch die bildgebenden Verfahren und weiteren Diagnoseschritte (Liquorpunktion, körperliche Untersuchung) eine Rolle spielen.

Therapie bei Multipler Sklerose

Säulen der Therapie

Die Therapie wird in 3 Säulen unterteilt: Man unterscheidet die Therapien von akuten MS-Schüben, die Vorsorge von weiteren Schüben und die Therapien von MS-Symptomen.

Ein akuter Schub wird mit Glukokortikosteroiden (z.B. Cortison) behandelt, was nachweislich die Dauer der Schübe reduziert und die Rückbildung der Symptome fördert. Sie werden dafür in hoher Dosis für 3-5 Tage in die Vene über eine Infusion verabreicht. Wenn notwendig, kann die Therapiedauer auf 10 Tage ausgedehnt werden.

Dann soll Cortison als Tablette für mindestens 2 Wochen langsam ausgeschlichen werden, das heißt, dass die Dosis immer weniger werden sollte. Falls die Beschwerden sich nach den Therapien nicht vollständig zurückbilden, kann ein wiederholter Versuch nach etwa 2 Wochen gestartet werden.

Falls auch hierdurch keine Besserung eintritt oder die Symptome sehr schwerwiegend sind, können unter Umständen weitere Therapieformen, wie eine Plasmapherese durchgeführt werden.

Die Plasmapherese beschreibt ein Verfahren, bei dem Blut aus dem Körper geleitet, in speziellen Maschinen „gewaschen“, also von schädlichen Substanzen bereinigt und anschließend wieder in „sauberer Form“ in den Körper geleitet wird.

Nebenwirkungen, die unter Cortison-Therapien auftreten, sind leider vielfältig und reichen von Magenverstimmungen, Wundheilungsstörungen und Übelkeit über Minderung der Knochenmasse, Muskelschmerzen und Stoffwechselstörungen bis hin zu depressiven Verstimmungen und Unruhe.

Zur Schub-Vorsorge werden Arzneimittel, die das Immunsystem des Körpers beeinflussen, eingesetzt, sodass die überschießende Immunreaktion, die Multiple Sklerose auslöst, nicht ablaufen kann.

Je nach Verlaufsform (milde, moderate oder aktive Erkrankung) werden verschiedene Arzneimittel (mit sehr komplizierten Wirkmechanismus und Namen) empfohlen: Interferon-ß, Glatirameracetet, Teriflunomid, Dimethylfumarat, Fingolimod, Natalizumab, Cladribin, Ocrelizumab, Alemtuzumab.

Mitoxantron und Cyclophosphamid werden als Reservemittel angewendet. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Wirkstoffklasse und sollten mit dem behandelten Arzt vor Therapiebeginn abgesprochen werden.

Die 3. Säule ist die Behandlung der einzelnen Symptome, die natürlich von Patient zu Patient unterschiedlich aussieht und gemeinsam mit den anderen Therapiesäulen laufen sollte.

Im Folgenden werden einige häufige Symptome und deren Behandlungsmöglichkeiten beschrieben: Bei Bewegungsstörungen helfen zum Beispiel Medikamenten wie Dantrolen (Achtung: als Nebenwirkung tritt eine Störung der Leberfunktion auf), Benzodiazepine (Achtung: Abhängigkeits-Gefahr) und muskelrelaxierende Tabletten, wie „Sirdalud“ (Achtung: Autofahren ist nach der Einnahme nicht mehr erlaubt). Die chronische Erschöpfung wird am besten mit aktivierenden Medikamenten wie Amantadin oder Modafinil behandelt. Falls ein ungewolltes Zittern der Arme/Hände auftritt, können Arzneimittel mit dem Namen Carbamazepin oder Primidon Abhilfe schaffen. Auch kleine Operationen werden manchmal durchgeführt. Die Parästhesien („Gefühlsstörungen“) werden bevorzugt mit „nervenstärkenden Medikamenten“ wie Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin behandelt.

Die Liste ist keineswegs vollständig. Weitere Maßnahmen und Nebenwirkungen müssen mit dem behandelnden Mediziner unbedingt besprochen werden.

Als Zusatzmaßnahmen werden neben der medikamentösen Therapie außerdem Krankengymnastik, Physiotherapie und Ergotherapie bei Spezialisten so früh wie möglich empfohlen. Damit soll das Fortschreiten der Schädigung von Nervenfasern und die damit einhergehende Bewegungsbeeinträchtigung bestmöglich verhindert werden.

Wenn ein Patient an einer MS leidet, so sollte mit ihm auch offen über das Thema Psychotherapie gesprochen werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass die MS selbst zwar eher zu einer Schädigung vom Hirn, dem Rückenmark und einzelner Nervenfasern führt, deren Symptome aber häufig psychische Probleme bei den Patienten hervorrufen können.

Aus diesem Grund sollte auch die Psychiatrie in die Behandlungsplanung einbezogen werden. Eine Gesprächstherapie und/oder Selbsthilfegruppen gelten in Deutschland als besonders hilfreiche Behandlungsergänzung bei Krankheiten wie der MS.

Wie ist die Prognose einer Multiplen Sklerose?

Wenn die Multiple Sklerose bei einem Patienten nicht behandelt wird, treten die Schübe anfangs im Durchschnitt etwa zweimal im Jahr auf. Im Laufe der Zeit werden die Schübe allerdings weniger.

Der individuelle Verlauf ist nicht vorhersagbar. Es gibt aber Faktoren, die sich scheinbar günstig oder ungünstig in Hinsicht auf die Prognose herausgestellt haben. Zu den günstigen Faktoren gehören z.B. ein Krankheitsbeginn vor dem 35. Lebensjahr und eine rasche Rückbildung der Beschwerden nach dem ersten Schub, sowie überwiegend gefühlsbehindernde (und nicht die Bewegung einschränkende) Symptome und die lang anhaltende Gehfähigkeit.

Auch die genaue Ursache für das Auftreten der MS und das individuelle Risiko eine Multiple Sklerose zu entwickeln spielen bei der Prognose eine entscheidende Rolle.

Mit einer eher schlechten Prognose werden lang andauernde, schwere Schübe, eine unvollständige Rückbildung der Symptome und ein eindeutiger Befund in der MRT-Untersuchung zu Beginn von Symptomen in Verbindung gebracht.

Achtung

Ohne Behandlung ist die Lebenserwartung mit MS um ungefähr 6-7 Jahre verringert. Circa die Hälfte aller Multiple Sklerose Patienten benötige nach 15 Jahren eine Gehhilfe. Nach 25 Jahren sind zwei Drittel nicht mehr arbeitsfähig, ein Drittel aller MS Patienten nicht mehr gehfähig.

Leider haben nur 10 % lediglich geringe oder keine Einschränkungen 25 Jahre nach Diagnosestellung.

Glücklicherweise zeigen Medikamente meistens ein gutes Ansprechen, sodass die Lebenserwartung unter optimaler Therapie kaum eingeschränkt ist.

Sehr selten kommen sogenannte „foudroyante Schübe“ vor, bei denen Betroffene nach ersten Symptomen schon nach wenigen Wochen versterben.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Multiplen Sklerose

Im Bereich Multiple Sklerose findet aktuell viel Forschung statt, sodass regelmäßig neue Therapie-Schemata und Medikamente auf den Markt kommen, die zunehmenden Behandlungserfolg zeigen.

Beispielsweise werden Behandlungskonzepte mit Vitamin D in hohen Dosen angewandt (strenge medizinische Überwachung ist dabei erforderlich). Der Erfolg der Behandlung muss allerdings erst durch Studien belegt werden. Klar ist, dass ein Ausgleich eines Mangels an Vitamin D einen schlimmen Verlauf verhindern kann.

Abgesehen von verschiedenen Medikamenten wird ein Einfluss der Ernährung auf die Multiple Sklerose diskutiert, wobei nach aktueller Datenlage noch keine spezifischen Empfehlungen zu Diätformen gegeben werden können. Sicher ist nur, dass sich eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ein Normalgewicht positiv auf den MS Verlauf auswirkt.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Multiplen Sklerose

MS gilt prinzipiell als nicht heilbar. Eine dauerhafte, regelmäßige Therapie bei einem spezialisierten Zentrum oder einem Neurologen mit Erfahrungen im Bereich MS ist daher eher die Regel. Die Aktivität der MS sollte aufgrund des sehr individuellen Krankheitsverlaufs und der teilweise gravierend die Lebensqualität einschränkenden Beschwerden regelmäßig kontrolliert werden.

Epidemiologie

Die Multiple Sklerose stellt die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) dar. Besonders häufig zeigt sich eine MS bei jungen Erwachsenen erstmalig. Die Rate der an Multipler Sklerose leidenden Menschen in Europa (Prävalenz) liegt bei ungefähr 700.000. Weltweit sind schätzungsweise mehr als 2,5 Millionen Menschen an Multipler Sklerose erkrankt.

Die Inzidenz, also die Anzahl der Neuerkrankungen, liegt bei rund 8-10 Patienten pro 100.000 Menschen. Woher genau es zu der Entstehung dieser Nervenerkrankung kommt, kann bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Man geht vielmehr davon aus, dass verschiedene Faktoren zusammenspielen und die Multiple Sklerose aus diesem Grund eine multifaktorielle Erkrankung ist.

Bis heute besteht für die betroffenen Multiple Sklerose Patienten keinerlei Möglichkeit, die Multiple Sklerose als solche zu heilen. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von Behandlungsstrategien, die die Auswirkungen der Nervenkrankheit eindämmen.

In den meisten Fällen zeigen sich die Ersten der für die Multiple Sklerose typische Symptome zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Es ist aber auch möglich, dass es bereits bei Kindern oder Jugendlichen zu einem Ausbruch kommt.

Was ist ein MS-Schub?

Bei einer Vielzahl der an MS leidenden Personen treten die für die Erkrankung typischen Beschwerden in einzelnen Schüben auf. Was genau ein MS-Schub ist, wurde medizinisch definiert als ein Auftretender neuer oder einer Reaktivierung bereits früher einmal aufgetretener Funktionsstörungen, die mit einer Multiplen Sklerose in Zusammenhang stehen können. Diese Funktionsstörungen müssen dann auch der Schub-Definition entsprechen.

Das bedeutet, dass die einzelnen Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden anhalten muss. Kommt es zu einer neuen Funktionsstörung, die nach vier Stunden wieder verschwindet, so handelt es sich nicht um einen MS-Schub. Außerdem muss zwischen dem aktuellen und dem vorherigen Schub ein Zeitraum von mindestens 30 Tagen liegen. Kommt es also bei einem an Multipler Sklerose leidenden Patienten 15 Tage nach dem letzten Schub erneut zum Auftreten von neuen und/oder reaktivierten Funktionsstörungen, so werden diese nicht als weiterer Schub gewertet. Vielmehr kann man die Beschwerden in diesen Fällen dem vorherigen Schub zusprechen.

Darüber hinaus dürfen die Symptome nicht mit einer Veränderung der Körpertemperatur in Zusammenhang stehen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten Uthoff-Phänomen. Auch eine Infektion oder andere psychische und/oder organische Ursachen für das Auftreten der Beschwerden muss ausgeschlossen sein.

Uthoff-Phänomen

Von dem sogenannten Uthoff-Phänomen spricht man immer dann, wenn eine vorübergehende Verschlimmerung typischer Symptome bei Personen, die an Multipler Sklerose leiden. Das Phänomen meint zudem auch das Auftreten einer Reduzierung der allgemeinen Leistungsfähigkeiten unter dem Einfluss von Hitze oder einer Erhöhung der Körpertemperatur des Betroffenen.

Genetische Komponente

Viele Menschen, die an Multipler Sklerose leiden, stellen sich häufig die Frage, welche Faktoren und Ursachen dafür verantwortlich sind, dass eine Gruppe von Menschen innerhalb der Bevölkerung eine Multipler Sklerose entwickelt und andere eben nicht. Die Antwort auf diese Frage hängt vermutlich mit der individuellen Genausstattung verschiedener Gruppen zusammen. Sämtliche biologische Abläufe innerhalb des Organismus werden durch unser Genom verschlüsselt und auf diese Weise beeinflusst. Inwiefern die Gene genau an der Ausbildung der Multiple Sklerose beteiligt sind, ist derzeit Thema in der Genforschung.

Doch eine typische Erbkrankheit ist die Multiple Sklerose nicht. Grund dafür ist die Tatsache, dass für deren Entstehung verschiedene Ursachen ineinander greifen müssen. Die Multiple Sklerose gilt deshalb auch als multifaktorielle Erkrankung. Einige wenige dieser Faktoren sind in den Genen zu finden. Für die betroffenen Stellen sich deshalb wichtige Fragen.

Besonders relevant sind die folgenden:

  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Nachkommen ebenfalls an Multipler Sklerose leiden werden?
  • Wie erklärt man sich den Einfluss der Gene auf die Erkrankung und kann die Entschlüsselung der Gene dazu beitragen, die Erkrankung zu heilen?
  • Wird es zukünftig möglich sein, anhand von genetischen Untersuchungen das individuelle Risiko für die Entstehung einer Multiplen Sklerose zu ermitteln?
  • Lässt sich mithilfe von genetischen Untersuchungen die Prognose bereits erkrankter Patienten ermitteln?
  • Kann zukünftig eine gezielte Gentherapie dabei helfen, die Symptome der Erkrankung zu lindern und/oder die Multiple Sklerose gänzlich zu heilen?

Die Annahme, dass es eine genetische Komponente bei der Entwicklung einer Multiplen Sklerose geben muss, beruht vor allem auf der Tatsache, dass blutsverwandte Angehörige von bereits erkrankten Patienten deutlich häufiger selbst eine MS entwickeln als andere Menschen. Im Allgemeinen liegt das Erkrankungsrisiko bei Multipler Sklerose bei ungefähr 0,1 Prozent. Betrachtet man jedoch beispielsweise einen eineiigen Zwilling eines bereits Betroffenen, der exakt das gleiche Genom aufweist, so steigt bei ihm das Risiko auf ungefähr 25 Prozent an. Bei einem zweieiigen Zwilling und/oder anderen Geschwistern steigt das Risiko ebenfalls an Multiple Sklerose zu erkranken auf immerhin 3 Prozent. Was ein deutlicher Unterschied zur Normalbevölkerung ist.

Krankheitserreger als Ursache

Auch verschiedene bakteriell und virale Krankheitserreger stehen in dem Verdacht, an der Entstehung einer Multiplen Sklerose maßgeblich beteiligt zu sein. Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) zum Beispiel scheint eine der Hauptursachen für die Entwicklung der Nervenerkrankung zu sein. Das Epstein-Barr-Virus ist der Auslöser des sogenannten Pfeifferschen Drüsenfiebers.

Um diese Annahme zu bestätigen, wurde in den Vereinigten Staaten eine umfangreiche Studie durchgeführt. Getestet wurden dabei über zehn Millionen Militärangestellte, von denen 801 Personen an einer Multiplen Sklerose leiden. Jedem der Angestellten, unabhängig davon, ob sie eine MS haben oder nicht, wurde eine Blutprobe abgenommen und im Anschluss auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) hin untersucht.

Bei 35 der an Multipler Sklerose erkrankten Angestellten konnten keine Antikörper gegen den Erreger nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass diese Personen zum Zeitpunkt des Studienbeginns nicht mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert waren. Bevor es bei diesen Menschen jedoch zum Ausbruch der MS kam, infizierten sich immerhin 34 der 35 mit EBV. Nur eine von den 801 multiple Sklerose-Fällen war zum Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs weiterhin seronegativ.

Es liegt die Vermutung nahe, dass auch andere Krankheitserreger bei Patienten, die an Multiple Sklerose leiden, deren Ausbruch triggern kann.

Leben mit multipler Sklerose

Die Diagnose „Multiple Sklerose“ ist für viele Menschen ein Schock. Sie wissen nicht so recht, was sie mit dieser Information anfangen sollen, was das genau für eine Krankheit ist und wie sich diese auf ihr weiteres Leben auswirkt. Angst macht ihnen oftmals auch die Frage, wie sich die MS auf andere Bereiche der Gesundheit auswirken kann.

Für die Betroffenen empfiehlt es sich erst einmal Informationen über die Multiple Sklerose zu sammeln und sich mit dem Thema auseinander zusetzen. Zudem sollten sie mit dem behandelnden Arzt und/oder nahestehenden Personen das Gespräch suchen und auch bei ihnen um Informationen über die Multiple Sklerose bitten. Häufig kann der Mediziner die schlimmsten Ängste nehmen und dem Betroffenen verdeutlichen, wo genau er Einschränkungen bemerken könnte. Die einzelnen Themen und die vermutlich bevorstehenden MS Symptome können zudem besprochen werden.

Grundsätzlich kann die MS Erkrankung alle Bereiche des täglichen Lebens beeinflussen. Die Auswirkungen der Multiplen Sklerose beginnen bei der Partnerschaft und Sexualität und reichen bis zum Sozialleben, den Hobbys und dem Berufsleben der Betroffenen. Auch die Familienplanung kann im Zuge der Erkrankung beeinträchtigt werden.

Kinderwunsch und Familienplanung

Die Multiple Sklerose beeinträchtigt nachweislich nicht die Fruchtbarkeit von betroffenen Frauen. Auch in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft und Geburt sind keine negativen Auswirkungen der MS bekannt. Ebenfalls wird die Gesundheit des heranwachsenden Kindes durch die MS der Mutter nicht beeinflusst. Tatsächlich lässt sich sogar klinisch beobachten, dass die Beschwerden der betroffenen Frauen während der Schwangerschaft deutlich nachlassen und es nur sehr selten in diesem Zeitraum zur Ausbildung eines neuen Schubes kommt. Es gibt sogar Frauen, die während sie ein Kind erwarten nahezu symptomfrei sind. Auch Männer leiden wegen ihrer MS nicht zwangsläufig an Unfruchtbarkeit . Bei Multipler Sklerose ist eine Vaterschaft also dennoch möglich.

Auslandsaufenthalte und Reisen

Auch beim Thema Reisen müssen sich Personen, die an Multiple Sklerose leiden, nicht zu sehr einschränken. Im Allgemeinen können sie auch nach der Diagnose noch auf Reisen gehen. Und das, selbst wenn bereits körperliche Einschränkungen bestehen. Das Ziel und der Ablauf der Reise sollte dann lediglich auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Betroffenen angepasst werden. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass im Bedarfsfall auch im Ausland eine akute Behandlung durchgeführt werden kann. Andernfalls besteht für die MS Patienten natürlich ein erhöhtes Risiko für bleibende Schäden.

Berufswahl und Arbeitsleben

Die Multiple Sklerose und den Beruf zu vereinbaren, kann eine echte Herausforderung sein. Aus diesem Grund ist es für die MS Patienten besonders wichtig, für welchen Job sie sich entscheiden. Denn es gibt in Deutschland in nahezu jedem Bereich zahlreiche Berufe, die auch für Menschen mit dieser Erkrankung problemlos zu bewältigen sind.

Bei dem Thema Berufswahl ist es wichtig, dass sich der Erkrankte nicht von der Angst vor eventuell vorhandenen Einschränkungen blockieren lässt. Die Multiple Sklerose wird nicht ohne Grund die "Krankheit mit vielen Gesichtern“ genannt. Letztendlich kann der fähigste Mediziner nicht vorhersagen, wie sich die MS bei den einzelnen Patienten entwickeln wird. Bei der Berufswahl sollte in erster Linie darauf geachtet werden, wo die eigenen Interessen liegen und wie diese mit einem Job in Zusammenhang gebracht werden können.

Erst dann sollte berücksichtigt werden, ob der eigene Traumberuf mit den für eine MS typischen Beschwerden vereinbar ist. Das ist vor allem bei Berufen, die enorme körperliche Belastungen mit sich bringen, häufig nicht der Fall. An diesem Punkt ist es essenziell, dass der MS-Patient sich darüber im Klaren ist, welches Maß an psychischer und physischer Belastung er sich auf Dauer gewachsen fühlt. Bei einigen Berufen spielt die Multiple Sklerose hingegen überhaupt keine Rolle, da die mit dem Job einhergehenden Anforderungen auch von einem ms Patienten bewältigt werden können.

Außerdem sollte der Betroffene genau in Erfahrung bringen, welche Reize ein Beruf mit sich bringt, die ihm mit der Erkrankung gegebenenfalls nicht guttun könnten. Die Berufe Maurer, Schreiner, Straßenbauer, Feuerwehrmann und Polizist sind in der Regel mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden und deshalb nicht wirklich geeignet. Auch das lange Stehen als Verkäuferin kann einen Stressfaktor darstellen und deshalb dein Wohlbefinden negativ beeinflussen. Berufe, bei denen ein besonders hoher Leistungsdruck herrscht, können für Personen, die an Multiple Sklerose leiden, ebenfalls schwierig sein. Aus diesem Grund sollten Berufe in Werbeagenturen, im Verkauf oder im Management nicht unbedingt in Erwägung gezogen werden.

Gleiches gilt für Jobs, bei denen es zu ständigen Beeinträchtigungen des Tag-Nacht-Rhythmus kommt (also bei wechselndem Tag- und Nachtdienst). Dies ist vor allem bei Krankenschwestern, Fließbandarbeitern oder in der Gastronomie der Fall. Schichtdienst mit wechselnder Tages- und Nachtarbeit ist für ms Patienten oftmals nicht das Richtige. Dabei spielt das Ausmaß der Krankheit auch erstmal keine Rolle.

Wichtig ist zudem, dass man als potenzielle Arbeitnehmer einbezieht, dass die Multiple Sklerose nicht heilbar ist und im Laufe des Lebens neue Beschwerden entstehen oder sich bereits vorhandene Auffälligkeiten verstärken können. Das gilt vor allem für die Feinmotorik, die durch eine Multiple Sklerose typischerweise immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Zudem ist bekannt, dass die für eine MS typischen Beschwerden in gewissem Maße temperaturabhängig sind. Aus diesem Grund sollten Berufe in heißer Umgebung und/oder in der unmittelbaren Sonne, dringend vermieden werden. Auch der Gleichgewichtssinn kann beim Fortschreiten der Erkrankung beeinträchtigt werden. Dachdecker und Gerüstbauer könnten ihre Arbeit dann irgendwann nicht mehr ausüben.

Informationspflicht

Wenn man schon in einem Berufsverhältnis steht, stellt sich bei den Patienten häufig die Frage, ob und wenn ja, inwiefern der Arbeitgeber über den Gesundheitszustand seines Arbeitnehmers informiert werden muss. Grundsätzlich muss ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber nicht darüber informieren, wenn er an einer chronischen Erkrankung wie der MS leidet. Eine Information spielt nicht einmal dann eine Rolle, wenn man sich neu für einen Beruf bewirbt. In diesen Fällen sollte man nicht lügen, kann das Thema aber geschickt umschiffen.

Allerdings gibt es Ausnahmen, bei denen diese allgemeine Regel bezüglich der Informationspflicht entfällt und der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber dennoch Bescheid geben muss. Das ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn die Erkrankung des zentralen Nervensystems verhindert, dass die im Arbeitsvertrag vereinbarte Leistung erbracht werden oder wenn es zu einer Eigen- oder Fremdgefährdung durch die Erkrankung kommen kann.

Verlaufsmodifizierte Therapie

Unter dem Begriff verlaufsmodifizierte Therapie versteht man die langfristige Anwendung von sogenannten Immuntherapeutika. Die verlaufsmodifizierte Therapie ist auch unter den Namen Immuntherapie, Basistherapie und Verlaufstherapie bekannt.

Die Immuntherapeutika werden von dem Patienten nicht nur im akuten Schub der MS, sondern bei Multiple Sklerose dauerhaft eingenommen. Dabei spielen vor allem Wirkstoffe, die in der Lage sind, das Immunsystem zu unterdrücken, beziehungsweise eine Immunreaktion gezielt zu verändern, eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang spricht man von sogenannten Immunsuppressiva beziehungsweise Immunmodulatoren.

Auch mithilfe der verlaufsmodifizierten Therapie kann die Multiple Sklerose nicht geheilt werden. Es ist aber zweifellos möglich, den Verlauf bei MS positiv zu beeinflussen. Besonders geeignet zeigt sich diese Form der Arzneimittelgabe, bei einer schubförmig remittierende MS (RRMS) und bei aktiver sekundär progredienter MS (SPMS). Der Zusatz „aktiv“ meint im Zusammenhang mit dieser speziellen Form der MS das akute Auftreten eines Schubes oder die Vergrößerung entzündungsbedingter Schäden innerhalb des ZNS. Die Multiple Sklerose Gesellschaft schätzt diese Form der Therapie bei erwachsenen MS Patienten als besonders zielführend ein.

Psychische Belastung

Die Multiple Sklerose stellt für die meisten Patienten und deren Angehörige eine enorme Belastung dar. Vor allem deshalb, weil sowohl der Verlauf als auch die auftretende Symptomatik der MS außerordentlich vielgestaltig sein können. Aus diesem Grund ist es schwer vorhersehbar, wie sich die Beeinträchtigungen des Einzelnen im Verlauf entwickeln.

Besonders bei älteren Personen, die schon jahrelang an MS leiden, treten häufig psychiatrische Symptome auf. Für sie ist es besonders wichtig, sich schnelle und vor allem gezielte Hilfe bei einem Psychologen oder einem Facharzt für Psychotherapie zu suchen.

Zusammenfassung

Die Multiple Sklerose ist eine häufig schubförmig verlaufende Autoimmunerkrankung des Nervensystems, die nach aktuellem Stand der Forschung nicht heilbar ist, deren Verlauf aber durch optimale medikamentöse Therapie gemildert werden kann. Eine Multiple Sklerose wird durch das Auftreten von verschiedensten typischen Symptomen (Bewegungs- und Gefühlsstörungen, Entzündung des Augennervs, Beschwerden beim Schlucken etc.) und dem Vorkommen von beweisenden Untersuchungsbefunden (körperliche Untersuchung, Änderungen im Liquor, MRT-Aufnahmen) diagnostiziert.

Es gibt verschiedene Verlaufsformen (schubförmig, chronisch fortschreitend und die Mischform) und damit auch unterschiedliche Therapieformen, die gute Erfolge erzielen, aber unbedingt vor Beginn gemeinsam mit dem Arzt ausführlich besprochen und gegeneinander abgewogen werden sollten.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Nein. Aber in einigen Fällen ist ein Leben nahezu beschwerdefrei möglich. Das ist von sehr vielen Faktoren abhängig und äußerste individuell.

Mitunter kann sich die Diagnosestellung über Monate erstrecken, je nachdem, wie genau sich die MS äußert und wann eine entsprechende medizinische Einrichtung ausgesucht wird.

Das kann man nicht sagen, auch wenn die Verlaufsform bekannt ist.

Der Verzicht auf das Zigaretten-Rauchen kann die Wahrscheinlichkeit an MS zu erkranken wahrscheinlich verringern.

Man konnte bisher nicht nachweisen, dass MS vererbt wird. Eine Schwangerschaft mit gesundem Kind sind auch während einer MS-Erkranknung möglich. Dabei ist unbedingt eine neurologische ärztliche Begleitung anzuraten!

Heute sterben nur noch sehr selten Menschen an behandelter Multiple Sklerose. Problematisch können Atem- und Schluckstörungen werden. Diese können zu Lungenentzündungen führen, in deren Verlauf man versterben könnte.

Für Multiple Sklerose sind Neurologen ("Nervenärzte") zuständig.

Auch das kann man nicht wirklich beantworten. Oft ist es so, dass sich Schübe nicht vollständig zurückbilden.

Das Nicht-Behandeln einer MS-Erkrnknung führt üblicherweise zu einem wesentlichen rascheren Kankheitsverlauf und wesentlich stärkeren Beschwerden.

Das kann man nicht sagen, auch wenn die Verlaufsform bekannt ist.

In der Regel geht man von einer Reduktion der Lebenserwartung von circa 6 bis 7 Jahren aus.

Multiple Sklerose Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

Medisiegel icon

Multiple Sklerose

MS

Epidemiologie

  • Prävalenz werltweit: ca 2.8 Millionen Menschen von MS

Risikofaktoren

  • Übergewicht
  • Vitamin-D-Mangel
  • unausgewogene Ernährung
  • Alkohol
  • Nikotin
  • hoher Kochsalzkonsum
  • hormonelle Störungen
  • Bewegungsmangel

Ursachen

  • autoimmune Genese

Symptome

  • Sehstörung
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in beiden oberen Gliedmaßen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in beiden unteren Gliedmaßen
  • Lähmungen
  • Gangstörungen
  • Müdigkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Blasenentleerungsstörung
  • Konzentrationsschwäche

Komplikationen

  • chronische Harnwegsinfektionen
  • Pneumonie
  • Osteoporose
  • Dekubitus
  • Thrombose
  • Depressionen

Diagnose

  • Anamnese
    • Haben sie Probleme beim Sehen?
    • Haben sie ein Kribbeln im Bereich ihrer Arme oder Hände bemerkt?
    • Haben sie ein Kribbeln im Bereich ihrer Beine oder Füße bemerkt?
    • Leiden sie an schmerzhaften Lähmungen?
    • Haben sie Probleme beim Laufen?
    • Sind sie nahezu ständig müde?
    • Hat ihre Leistungsfähigkeit abgenommen?
    • Haben sie Probleme damit ihre Blase vollständig zu entleeren?
    • Haben sie Probleme damit sich länger auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren?
  • Körperliche Untersuchung
    • vollständige Neurologische Untersuchung
  • MRT
    • Kontrastmittel MRT zur Darstellung möglicher Entzündungsherde
  • Liquorpunktion
    • Nachweis eines für die MS typischen Musters, den oligoklonalen Banden (OKB)
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung
    • Urinuntersuchung

Differenzial Diagnose

  • Borreliose

Therapie

  • Physiotherapie
  • Medikamente

Prognose

  • eher ungünstiger Verlauf bei frühem Beginn und männlichem Geschlecht
  • eher ungünstiger Verlauf bei hoher Schubfrequenz
  • eher ungünstiger Verlauf bei unvollständigem Rückgang der Schub-Symptome

Begriffe

Fieber

Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
Jeder Mensch ist hin und wieder von Müdigkeit betroffen. Dabei besteht auch erstmal kein Grund zur Sorge, denn besonders in stressigen Lebensphasen kommt die Nachtruhe bei einer Vielzahl der Menschen zu kurz.
Von "Unfruchtbarkeit"(Sterilität) geht man immer dann aus, wenn es bei Kinderwunsch innerhalb von zwei Jahren, trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehrs, nicht zu einer Schwangerschaft kommt.

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