Medisigel logo
Gesundheit von A-Z

Mandelentzündung

Profilbild von Agsin Kjasimov

Geschrieben von
Agsin Kjasimov (Arzt)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Mandelentzündung?

Die Mandelentzündung kommt insbesondere bei Schulkindern vor, betrifft aber auch regelmäßig Erwachsene. Der lateinisch-anatomische Begriff für Mandeln sind Tonsillen. Daher wird diese Entzündung auch akute Tonsilitis bezeichnet. Mitunter werden aber auch wiederkehrende (rezidivierende) Formen unterschieden – dazu im Verlauf dieser Übersicht mehr. Zahlen zu den Häufigkeiten sind aufgrund der fehlenden Dokumentation und schlicht der hohen Zahl an Erkrankungsfälle nicht seriös zu nennen. Man geht jedoch aus, dass bis zu 5 % der Hausarztbesuche auf eine bakterielle Entzündung der Mandeln zurückzuführen sind.

In Bezug auf die Mandelentzündung ist es von Vorteil, eine definitorische Unterscheidung zu überblicken, da nicht jeder Halsschmerz ursächlich eine Mandelentzündung ist.

So kann es bei einer akuten Pharyngitis zu einer Entzündung des Rachens kommen, ohne jedoch, dass die Tonsillen betroffen sind. Die Ursachen hier sind häufig Adeno-, Rhino- oder auch Coronaviren. Die Rachenentzündung geht mit Halsschmerzen, Schnupfen, Niesen und gelegentlich auch mit Heiserkeit und allgemeiner Abgeschlagenheit einher. Bei der akuten Pharyngitis sind dagegen die Mandeln eher nicht betroffen und entzündet.

Die Kombination von beiden wird als akute Tonsillopharyngitis beschrieben. Diese häufig klinisch unscharfe Trennung ist in den medizinischen Leitlinien vorgesehen und soll die Handlungsgrundlage für etwaige Therapie darstellen. Im angloamerikanischen Raum wird diese Differenzierung beispielsweise nicht vorgenommen. Eine isolierte, ausschließlich auf die Mandel begrenzte Infektion ist eher eine Rarität und geht daher regelmäßig mit einer Rachenentzündung einher.

Wenn eine Mandelentzündung immer wieder im Intervall aufflammt, dann wird von einer rezidivierenden (akuten) Tonsilitits gesprochen. Früher wurde diese Form als chronische Tonsillitis beschrieben. Diese Bezeichnung wird allerdings der Physiologie – sprich der Normalfunktion – nicht gerecht. Denn die Mandeln befinden sich aufgrund ihrer besonders antigenexponiert Region (Kontakt zu unterschiedlichen Bestandteilen von Erregern) im Rachen als Teil des lymphatischen Systems in ständiger (eben „chronischer“) Immunabwehr.

Die Ursachen und damit mit Abstand der häufigste Grund für eine akute Mandelentzündung sind Viren (bis zu 95 %). Dabei handelt es sich ähnlich wie bei einer Rachenentzündung um Rhinoviren, Coronaviren und Adenoviren. Während Rhino- und Coronaviren eher zu milden Infektionen der Mandeln führen, zeigen die Infektion mit Adenoviren eher klinisch ausgeprägtere Symptome. Unter viralen Ursachen kann der Erreger der saisonalen Grippe (Influenzaviren) auch verantwortlich sein.

Eine Sonderstellung nimmt die EBV-Tonsillitis ein, bei der es neben der Tonsilleninfektion zum systemischen Krankheitsbild mit Beteiligung anderer lymphatischer Organe wie Leber und Milz kommen kann (Pfeiffersches Drüsenfieber , infektiöse Mononukleose). Meistens ist die Differenzierung dieser Erreger nicht möglich und für die Therapie auch nicht notwendig.

Handelt es sich bei der akuten Tonsillitis nicht um eine virale Ursache, so ist von einer bakteriellen Infektion auszugehen. Zu den häufigsten Erregern zählen dabei die Streptokokken (Streptococcus pyogenes), die in der Regel als Tröpfcheninfektion unter Schulkindern verbreitet werden, auch Haustieren sind bekannte Überträger. Streptokokken kommen regelmäßig auf Haut und Schleimhäute vor und können gelegentlich Infektionen auslösen, beispielsweise Lungenentzündungen, Mittelohrentzündung (Streptococcus pneumoniae), Karies ( Viridans streptococci), Wundinfektionen (Peptostreptococcus) oder Harnwegsinfekte (Enterococcus).

Hinweis

Liegt eine akute Immunschwäche vor, können auch Erreger, die in der Mundflora gelegentlich vorkommen, wie beispielsweise der Hefepilz Candida albicans eine sogenannte Angina agranulocytotica auslösen. Die Immunschwäche kann dabei aufgrund einer systemischen Erkrankung wie Blut- oder Lymphdrüsenkrebs oder auch durch die Einnahme von Medikamenten sein. 

Was sind die Symptome einer Mandelentzündung?

Die Symptome sind recht unspezifisch und vielfältig. Häufig beschreiben Patienten eine allgemeine Abgeschlagenheit, die auch länger anhalten kann. Dazu kommen häufig auch Kopfschmerzen, die sehr belastend sein können. Es fällt eine Rötung des Halses auf. Dieser schmerzt dabei meistens und verursacht starke Schluckbeschwerden. In vielen Fällen treten auch hohe Körpertemperaturen auf, die meistens sehr erschöpfend sind. Ein Mundgeruch wird von vielen Betroffenen beobachtet und in manchen Fällen tritt auch Husten auf.

Unterschied zwischen viraler und bakterieller Tonsillitis

In den meisten Fällen sind virale Krankheitserreger die Ursachen entzündlicher Prozesse im Bereich der Mandeln. Zu den häufigsten Erregern zählen Rhino-, Corona- oder Adenoviren. Auf Grund dieses Erregerspektrums geht eine Mandelentzündung häufig mit einer Erkältung einher. Die betroffenen Patienten leiden dann unter Husten , Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen. Außerdem verursacht eine virale Mandelentzündung starke Halsschmerzen.

Neben der viral induzierten Tonsillitis, kann eine Entzündung in diesem Bereich auch von Bakterien hervorgerufen werden. Die mit Abstand häufigsten Erreger sind Streptokokken. Ob es sich bei einer Mandelentzündung um eine von Viren oder bakteriellen Erregern hervorgerufene Erkrankung handelt, ist häufig schwer zu unterscheiden. Es gibt jedoch einige Anzeichen, die eine erste Orientierungshilfe liefern können.

Im Gegensatz zur viralen Tonsillitis rufen Bakterien weiß-gelbliche Punkte oder Beläge, sogenannte Stippchen, im Bereich des Rachens und vor allem auf den Mandeln hervor. Ist ein betroffener Patient älter als 15 Jahre, so kann der Arzt den sogenannten Centor-Score verwenden. Bei kleineren Kindern ist dies jedoch nicht möglich.

Der Centor-Score hilft dabei anhand der Symptome die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer bakteriellen Infektion abzuschätzen. Genauer gesagt liefert er eine Aussage darüber, ob die Mandelentzündung durch Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen wird.

Für den Score relevante Symptome sind:

  • Fieber über 38 Grad
  • fehlender Husten
  • geschwollene und schmerzhafte Halslymphknoten
  • vergrößerte und belegte Gaumenmandeln

Liegen bei einem Patienten all diese Symptome vor, so handelt es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 60 Prozent um eine Streptokokken-Infektion . Eine genauere Aussage liefert jedoch ein Rachenabstrich.

Mandelentzündung als Symptom andere Erkrankungen

Eine Mandelentzündung kann gleichermaßen eigenständige Erkrankung und Symptom einer anderen Infektion sein. Entzündliche Prozesse im Bereich der Rachenmandeln treten vor allem im Zusammenhang mit Pfeiffersche Drüsenfieber, Diphtherie , Scharlach , Tuberkulose , Herbangina und Soorangina auf. Zudem kann eine Mandelentzündung bei Tripper (Gonorrhö) und Syphilis auftreten.

Wenn eine Mandelentzündung im Zusammenhang mit Pfeiffersche Drüsenfieber steht, zeigen sich die Rachenmandeln als flächig verschmutzt und weiß-gräulich belegt. Außerdem sind die Lymphknoten der betroffenen Patienten im Bereich des Halses, des Nackens und im Kieferwinkel deutlich angeschwollen.

Im Falle der Diphtherie sind die Rachenmandeln ebenfalls von einem gräulich-weißem Belag überzogen. Typisch für diese bakterielle Infektion ist es, dass die Mandeln beim Versuch den Belag zu lösen, zu bluten beginnen. Außerdem weisen Betroffene in den meisten Fällen von Diphtherie einen faulig-süßlichen Mundgeruch auf.

Vor allem bei Kindern bildet sich eine Mandelentzündung aus, wenn sie an Scharlach erkranken. Bei dieser bakteriellen Erkrankung sind die Gaumenmandeln typischerweise tiefrot verfärbt und von weißen Stippchen belegt. Auch die Rachenwand stellt sich in diesen Fällen oftmals rötlich verfärbt dar. Neben der Mandelentzündung zählen weißliche Beläge an der Schleimhaut der Wangeninnenseite und eine rote „Himbeerzuge“ zu den typischen Symptomen des Scharlach .

Die sogenannte Angina Plaut-Vincent stellt eine besonders seltene Form der bakteriellen Tonsillitis dar. Betroffen von dieser Erkrankung sind vor allem junge Männer. Anders als bei den meisten Infektionen, die mit einer Mandelentzündung einhergehen, ist bei einer Angina Plaut-Vincent in der Regel lediglich die Mandel auf einer Seite entzündet. Typisch sind zudem Geschwüre und ein grün-gräulicher Schleim, der die Mandel überzieht. Menschen, die an dieser seltenen Infektion erkranken, weisen zudem häufig einen übel riechenden Mundgeruch auf. Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl sind hingegen selten. Zumeist fühlen sich die Betroffenen vollkommen gesund.

Bei einer Syphilis (Lues) handelt es sich um eine sexuell übertragbare Erkrankung. Im zweiten Stadium der Syphilis kann es neben anderen Symptomen auch zur Entstehung entzündlicher Prozesse im Bereich der Mandeln kommen. Wenn eine Mandelentzündung mit Syphilis in Zusammenhang steht, sind die Mandeln typischerweise geschwollen und gerötet. Im weiteren Verlauf bildet sich zudem ein schleierartiger, weißlich-grauer Belag, der auch Plaque opalines genannt wird.

Der Hefepilz Candida albicans ist der häufigste Pilz, der zur Entstehung einer Tonsillitis führen kann. Betroffene Patienten weisen in den meisten Fällen Beläge auf der Mundschleimhaut, der Zunge und den Mandeln auf.

Wann muss man zum Arzt gehen?

Eine Mandelentzündung macht es nicht unbedingt nötig, einen Arzt aufzusuchen. Innerhalb der ersten Tage der Erkrankung leiden die betroffenen Patienten unter Schmerzen. Diese Schmerzen lassen sich mithilfe von Halswickeln, Lutschbonbons oder speziellen Lutschpastillen lindern. Außerdem können betäubende Rachensprays dabei helfen, die durch die Mandelentzündung hervorgerufenen Schmerzen zu lindern.

In besonders schweren Fällen können zudem Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Diese Arzneimittel lindern nicht bloß die Schmerzen, sondern wirken zusätzlich entzündungshemmend.

Kommt es durch diese Maßnahmen nicht zu einer Besserung und/oder verläuft die Erkrankung mit besonders starken Schmerzen oder hohem Fieber, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Darüber hinaus weisen krankhafte Geräusche, die beim Ein- oder Ausatmen auftreten, erschwertes Atmen und Atemnot darauf hin, dass die Erkrankung dringend ärztlich abgeklärt werden muss. Gleiches gilt immer dann, wenn die Halsschmerzen lediglich auf einer Seite lokalisiert sind und vor allem beim Kauen, Schlucken und Öffnen des Mundes auftreten.

Eine ärztliche Behandlung ist auch dann sinnvoll, wenn die Beschwerden im Verlauf der Erkrankung zunehmen und/oder eine Krankheitsdauer von drei Tagen überschritten ist.

Wie wird die Mandelentzündung diagnostiziert?

Untersuchungen Mandelentzündung

Zur Orientierung und Einordnung ist zunächst eine klinisch-körperliche Untersuchung und die Inspektion des Rachens zumeist der erste Schritt. Zusätzlich können Lymphknoten im Bereich des Halses und des Kiefers schmerzhaft geschwollen sein. Die Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese der Tonsillitis kann nur unter Berücksichtigung von anamnestischen Angaben, klinischen Symptomen und Laborbefunden erfolgen.

Anhand eines Rachenabstriches kann ein Streptokokken-Schnelltest gemacht werden; dieser ist zwar sehr spezifisch, jedoch wenig sensitiv. Das bedeutet, dass wenn ein Test positiv ausfällt, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion mit Streptokokken vorliegt. Jedoch werden aufgrund eben der geringen Sensitivität nicht immer die Streptokokken-Infektionen erkannt (falsch-negativer Wert). Zusätzlich kann nach individueller Abwägung auch eine Bakterienkultur angefordert werden.

Eine Blutuntersuchung dient am ehesten der Übersicht über die systemische Reaktion des Körpers auf eine Infektion, jedoch nicht im Konkreten bezüglich einer Differenzierung zwischen bakterieller oder viralen Tonsillitis. Daher ist diese für eine adäquate Therapie nicht zwingend notwendig. Bei den Parametern handelt es sich dann um Entzündungswerte wie CRP (C-reaktives Protein, wird bei Entzündung in der Leber gebildet und soll Erreger für die körpereigenen Abwehrzellen markieren), BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit; bei Infektionen erhöht) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen; bei Infektionen gelegentlich erhöht). Unter Umständen kann der Wert des sogenannten Antistreptolysin-Titers (ASL) Aufschluss über die entzündliche Aktivität von Streptokokken geben. Diese geben ASL als Gift in die Blutlaufbahn (nicht verwechseln mit Blutvergiftung ).

Wichtig für die Therapie ist die Abgrenzung der gewöhnlichen Erreger der Mandelentzündung (Rhino-, Adeno- und Coronaviren sowie Bakterien wie Streptokokken) von der Epstein-Barr-Virus- Mandelentzündung (EBV-assoziierte Tonsillitis). Bei dieser Form der Entzündung der Mandeln liegt klinisch häufig (98 Prozent der Fälle) ein Dreiklang von Tonsillopharyngitis, Fieber und Lymphknotenschwellung des Halses vor.

Differenzialdiagnostisch muss die EBV-assoziierte Tonsillitis von der Streptokokken-Tonsillitis abgegrenzt werden. Im Gegensatz zur Streptokokken-Tonsillitis liegen hier eher flächige als stippchenartige Beläge auf den Tonsillen vor. Außerdem sind nicht nur die Halslymphknoten geschwollen, sondern auch gelegentlich andere Lymphknoten wie in der Leiste oder in der Achselhöhle. Weitere häufige Symptome  sind dann auch Schwellung der Milz und der Leber .

Zur Orientierung und Einordnung ist zunächst eine klinisch-körperliche Untersuchung und die Inspektion des Rachens zumeist der erste Schritt. Zusätzlich können Lymphknoten im Bereich des Halses und des Kiefers schmerzhaft geschwollen sein. Die Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese der Tonsillitis kann nur unter Berücksichtigung von anamnestischen Angaben, klinischen Symptomen und Laborbefunden erfolgen.

Anhand eines Rachenabstriches kann ein Streptokokken- Schnelltest gemacht werden; dieser ist zwar sehr spezifisch, jedoch wenig sensitiv. Das bedeutet, dass wenn ein Test positiv ausfällt, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion mit Streptokokken vorliegt. Jedoch werden aufgrund eben der geringen Sensitivität nicht immer die Streptokokken-Infektionen erkannt (falsch-negativer Wert). Zusätzlich kann nach individueller Abwägung auch eine Bakterienkultur angefordert werden.

Eine Blutuntersuchung dient am ehesten der Übersicht über die systemische Reaktion des Körpers auf eine Infektion im Allgemeinen jedoch nicht im Konkreten bezüglich einer Differenzierung zwischen bakterieller oder viralen Tonsillitis. Daher ist diese für eine adäquate Therapie nicht zwingend notwendig. Bei den Parametern handelt es dann um Entzündungswerte wie CRP (C-reaktives Protein, wird bei Entzündung in der Leber gebildet und soll Erreger für die körpereigenen Abwehrzelle markieren), BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit; bei Infektionen erhöht) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen; bei Infektionen gelegentlich erhöht). Unter Umständen kann der Wert des sogenannten Antistreptolysin-Titers (ASL) Aufschluss über die entzündliche Aktivität von Streptokokken geben. Diese geben ASL als Gift in die Blutlaufbahn (nicht verwechseln mit Blutvergiftung!).

Wichtig für die Therapie ist die Abgrenzung der gewöhnlichen Erreger der Mandelentzündung (Rhino-, Adeno- und Coronaviren sowie Bakterien wie Streptokokken) von der Epstein-Barr-Virus- Mandelentzündung (EBV-assoziierte Tonsillitis). Bei dieser Form der Entzündung der Mandeln liegt klinisch häufig (98 Prozent der Fälle) ein Dreiklang von Tonsillopharyngitis, Fieber und Lymphknotenschwellung des Halses vor.

Differenzialdiagnostisch muss die EBV-assoziierte Tonsillitis von der Streptokokken-Tonsillitis abgegrenzt werden. Im Gegensatz zur Streptokokken-Tonsillitis liegen hier eher flächige als stippchenartige Beläge auf den Tonsillen vor. Außerdem sind nicht nur die Halslymphknoten geschwollen, sondern auch gelegentlich andere Lymphknoten wie in der Leiste oder in der Achselhöhle. Weitere häufige Symptome  sind dann auch Schwellung der Milz und der Leber .

Differenzialdiagnosen

Es gibt einige Erkrankungen, die eine der Mandelentzündung sehr ähnliche Symptomatik hervorrufen können. Im Zuge der Diagnostik gilt es, diese sogenannten Differenzialdiagnosen auszuschließen.

Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen der Mandelentzündung zählt die Pharyngitis. Bei einer Pharyngitis kommt es zur Entstehung entzündlicher Prozesse im Bereich der Rachenschleimhaut. Die Pharyngitis gehört zu den häufigsten infektiösen Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohrenbereichs. In den meisten Fällen tritt sie im Zuge einer Erkältung auf und heilt innerhalb weniger Tage ohne medizinische Intervention wieder ab. Es besteht jedoch die Gefahr, dass eine Rachenentzündung einen chronischen Verlauf annimmt.

Außerdem stellt die sogenannte Diphtherie (echter Krupp) eine wichtige Differenzialdiagnose dar. Eine Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die von bakteriellen Erregern mit dem Namen Corynebacterium diphtheriae verursacht wird. Betroffene Patienten entwickeln typischerweise Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit , ein allgemeines Krankheitsgefühl und leichtes Fieber .

Auch Pilzinfektionen, die sich im Bereich des hinteren Mundraumes bilden, können zu einer entsprechenden Symptomatik, die an eine Mandelentzündung denken lässt, hervorrufen. Erkennen lässt sich eine Pilzinfektion anhand der weißlichen Beläge, die sich nicht bloß an den Mandeln, sondern vor allem auf der Zunge und in den Furchen der Wangen finden lassen. Eine Pilzinfektion wird mit Antimykotika behandelt.

Wissenswert

Bis heute existiert nun also kein sicherer Einzelwert zur Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Tonsillitis. Aufgrund der komplexen Differenzierung zwischen viraler und bakterieller Ätiologie wurden verschiedene Klassifikationssysteme entwickelt, die das Vorliegen oder Fehlen verschiedener anamnestischer Angaben und klinischer Symptome in einem Gesamtpunktwert zusammenfassen. Der McIsaac-Score eignet sich für Patienten im Alter von 3 bis 14 Jahren bewährt.

Therapie bei Mandelentzündung

Konservativ

Im Vordergrund steht eine symptomatische Therapie der Mandelentzündung. Neben reichlich Flüssigkeit (z.B. Tee) können Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol eingesetzt werden. Bei härterem oder gesichertem Verdacht auf eine Streptokokken- und damit bakterielle Tonsillitis werden Antibiotika aus der Gruppe der Penicillin verabreicht. Vorsicht ist hierbei geboten, dass eine EBV-Tonsilitis nicht übersehen und verwechselt wird, da bei Gabe von Antibiotika bei dieser Mandelentzündung zu einer allergischen Hautreaktion führen können.

Operativ

Bei immer wiederkehrenden Mandelentzündungen, die mittel bis schwer und antibiotikapflichtig verlaufen, kann eine operative (Teil-)Entfernung der Mandeln diskutiert werden. Sollten im Rahmen der Entzündungen die Mandeln aufgrund Ihrer Größe Schluck- und Atembeschwerden (“kissing tonsils”) verursachen, kann auch hier die Indikation für einen Eingriff gestellt werden. Neben einer Reihe anderer individueller OP-Gründe ist die Medizin mittlerweile in dieser Frage zurückhaltender und differenziert zunehmend bei der Indikationsstellung.

Verfahren:

  1. 01
    Bei der Tonsillektomie (TE) werden die Mandeln vollständig entfernt. In ca. 5 % der Mandelentfernungen kommt es zu Nachblutungen. Insbesondere nach ca. 7 Tagen kann es im Laufe der Wundheilung zu plötzlichen mitunter schweren Nachblutungen kommen, die einen erneuten Eingriff im Rahmen einer Blutstillung notwendig machen.
  2. 02
    Bei der Tonsillotomie (TT) werden die Gaumenmandeln nur teilweise entfernt. Dieser Eingriff ist mit deutlich niedrigeren Nachblutungsrisiken verbunden und weniger schmerzhaft.

Wie ist die Prognose einer Mandelentzündung?

Insgesamt hat die Mandelentzündung eine sehr gute Prognose, da sie in den allermeisten Fällen spontan abheilt.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Mandelentzündung

Bei Entzündungen im Hals können folgende pflanzliche Mittel als Tinktur oder Teezubereitung eingesetzt werden:

  • Tormentillwurzelstock bei leichteren Schleimhautentzündungen im Rachen
  • Salbei (ätherische Öle und Gerbstoffe beispielsweise als Tee)

Zur Hustenstillung kann die Eibischwurzel als Tee zubereitet und zur Schleimlösung Efeublätter, Kiefernsprosse oder Thymiankraut gegeben werden.

Zusammenfassung

Die akuten Tonsillitis (Entzündung der Gaumenmandeln) ist eine meist viralen, selten auch bakterielle Infektion im Rachenraum. Sie geht meist mit allgemeiner Abgeschlagenheit, Hals- und Kopfschmerzen einher. Gelegentlich bestehen zusätzlich Halslymphknotenschwellung und Fieber . Bei einer bakteriellen Mandelentzündung muss neben der Schmerzstillung ein Antibiotikum gegeben werden. Eine Reihe von bekannten Hausmitteln können ergänzend Abhilfe schaffen. Bei wiederkehrenden und regelmäßig ausgeprägten Verläufen kann eine operative Therapie nach gründlicher und fachkundiger Abwägung in Betracht gezogen werden.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Ja. Die Erreger können bei entfernten Mandeln zu einer “einfachen” Pharyngitis (Rachenentzündung) führen.

Meist wird die Mandelentzündung mit Schmerzen, Abgeschlagenheit und allgemeiner Schwäche begleitet. Es ist insbesondere bei akuten und symptomatischen Verläufe von körperlicher Belastung abzuraten. Auch die mögliche Ansteckung von Kolleginnen und Kollegen sollte berücksichtigt werden.

2-3 Tage vor der Infektion und 4 Tage nach Symptombeginn.

Das kann zeitlich nicht festgemacht machen. Die Schwere und Häufigkeit bestimmen die begriffliche Zuordnung zu einer “rezidivierenden (akuten) Tonsilitis”. Der Begriff des “chronischen” wird nicht mehr angewandt.

Eine virale Mandelentzündung kann symptomatisch mit viel Flüssigkeit, Schmerz- und Hausmitteln auch spontan auskuriert werden. Vorsicht ist unbedingt bei einer bakteriellen Mandelentzündung geboten.

Über Schmier- und Tröpfcheninfektionen können die viralen und bakteriellen Erreger teilweise sehr schnell übertragen werden.

Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmittel und ggf. Hausmittel wie Salbeitee.

Untersuchungen haben zeigen können, dass ca. 80% der Patientinnen und Patienten am 3. Erkrankungstag ohne Antibiotika fieberfrei sind und mehr als 30% keine Schmerzen mehr haben.

Mandelentzündung Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

Medisiegel icon

Mandelentzündung

Tonsillitis, Angina tonsillaris

Betroffene

Organe(e):

Gaumenmandeln

Epidemiologie

  • Altersgipfel: v.a. im Schulalter

Risikofaktoren

  • Immunschwäche
  • schlechten Allgemeinzustand
  • Stress

Ursachen

  • virale Infektion (z.B. Rhinoviren. Adenoviren)
  • bakterielle Infektion (v.a. Streptokokken)

Symptome

  • Halsschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • Mundgeruch
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Fieber

Komplikationen

  • Peritonsilliarabszess
  • Parapharyngealabszess
  • Rezidive
  • Akutes rheumatisches Fieber
  • Akute Poststreptokokken Glumerulonephritis
  • Endokarditis
  • Chorea minor Sydenham
  • Poststreptokokken-Arthritis

Diagnose

  • Körperliche Untersuchung
    • zervikale Lymphadenopathie
    • gerötete, geschwollene Tonsillen
    • ggf. mit Stippchen belegte Tonsillen
  • Abstrich
    • Rachenabstrich: Schnelltest auf Streptokokken
  • Laboruntersuchung
    • Entzündungsparameter angestiegen

Laborwerte

  • Leukozyten Erhöht
  • CRP Erhöht
  • BSG Erhöht

Differenzial Diagnose

  • Seitenstrangangina
  • Pfeiffersches Drüsenfieber

Therapie

  • Medikamente
  • Operation

Prognose

  • häufig Spontanheilung

Begriffe

Husten

Als Husten bezeichnet man die Reaktion des Körpers, auf eine Reizung des Rachens oder der Atemwege.
Die Syphilis - auch Lues genannt - gehört zu einer Gruppe der weltweit mehr als 30 Geschlechtskrankheiten (STI, S = sexually T = transmitted I = infections; sexuell übertragbare Infektionen).
Streptokokken: Kleine, kugelförmige Bakterien, die sich in der Kultur als Ketten anlagern. Diese Bakterien können verschiedene Erkrankungen, wie eine Rachenentzündung, Herzmuskelentzündung oder eine Weichteilentzündung verursachen.
Unter dem Begriff "Blutvergiftung" (Sepsis), versteht man ein lebensbedrohliches Multiorganversagen, das aufgrund einer fehlgesteuerten, systemischen Immunreaktion hervorgerufen wird.
Ibuprofen ist als entzündungshemmendes, fiebersenkendes und schmerzlinderndes Mittel unverzichtbar ist. Die Behandlung sollte jedoch so kurz wie möglich erfolgen. Von langfristiger Anwendung sollte man, wenn es möglich ist, absehen.
Die Rachenentzündung (=Pharyngitis) bezeichnet die Entzündung der Rachenschleimhaut. Sie wird grob eingeteilt in eine akute Form (=akute Pharyngitis) und eine chronische Form (=chronische Pharyngitis).
Die Diphtherie, die auch als echter Krupp bezeichnet wird, ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium "Corynebakterium diphtheriae" hervorgerufen wird.
Lymphdrüsenkrebs wird häufig auch als malignes Lymphom bezeichnet und beschreibt eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems an Krebs. Das Lymphsystem ist ein zentraler Punkt des menschlichen Körpers für ein funktionierendes, gesundes Abwehrsystem.
Eine Erkältung stellt einen grippalen Infekt der oberen Atemwege dar. Sie äußert sich meist in Form von Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder leichtem Fieber.
Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium verursacht wird. Sie wird als Tröpfcheninfektion übertragen und zieht einen langwirigen, monatelangen Behandlungsverlauf nach sich. Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet und kann tötlich verlaufen.
Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine meist harmlose, akute Virusinfektion, die durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird und meist mit einer Entzündung der Rachenmandeln, Fieber und einer generalisierten Lymphknotenschwellung einhergeht.
Tripper (auch „Gonorrhö“ genannt) ist eine häufige, sexuell-übertragbare Erkrankung, die durch Bakterien (Gonokokken) verursacht wird. Die meisten Betroffenen sind Jugendliche und junge Menschen zwischen 15-25 Jahren.
Unter dem Begriff Karies versteht man eine Erkrankung der Zähne, die durch bakterielle Erreger im Zahnbelag verursacht wird. Direkte Ursachen einer Karies sind süße Lebensmittel und mangelnde Mundhygiene.
Die Grippe (Influenza) ist eine weltweit vorkommende, virale Infektion die auf der Nordhalbkugel in der Regel gehäuft in den Wintermonaten auftritt. Die typischen Symptome sind ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und trockenem Reizhusten.
Die Heiserkeit oder auch Dysphonie genannt bezeichnet eine Störung der Stimme. Bei Heiserkeit klingt die Stimme rau und/ oder belegt. In der Regel ist die Stimme nicht so flexibel, also nicht so änderbar wie normalerweise.
Als Scharlach wird eine akute, bakterielle Infektionskrankheit bezeichnet, die zwar in jedem Alter auftreten kann, am häufigsten allerdings bei Kindern im Alter zwischen 3 und 12 Jahren zu finden ist.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.

Medisiegel

Newsletter anmelden

Unsere Artikel sollen Ihnen einen ersten Eindruck von einem medizinischen Thema vermitteln. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung und Beratung.
Wir übernehmen keine Gewähr für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit der Darstellung.

Copyright © 2022, Medisiegel. All rights reserved.