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Heuschnupfen

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Geschrieben von
Lisa Maria Schulte

Circa zehn bis zwanzig Prozent der Menschen in Europa sind von einer Pollenallergie betroffen. Dabei handelt es sich um die häufigste Form der Allergien. Wie auch bei anderen Allergien reagiert das Immunsystem bei einer Pollenallergie extrem auf eigentlich ungefährliche Substanzen – allerdings reagiert der Körper bei Heuschnupfen nicht übermäßig auf Heu, sondern auf Proteine von Pflanzenpollen, die sich in der Luft befinden. Aus diesem Grund wird Heuschnupfen auch als Pollenallergie bezeichnet.

Wissenswert

Der Heuschnupfen tritt saisonal auf, weil die unterschiedlichen Pollen sich nur während der Blütezeit der entsprechenden Pflanze in der Luft befinden. Wenn sie also Beschwerden des Heuschnupfens an Ihnen feststellen, sie diese aber über das ganze Jahr haben, leiden Sie an einer anderen Form von Allergie (wie zum Beispiel Hausstaubmilben).

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Heuschnupfens?

Die Beschwerden werden, wie auch bei anderen Allergien, durch eine übermäßige Reaktion ihres Immunsystems verursacht. Dabei stuft die Körperabwehr harmlose Proteine fälschlicherweise als toxisch ein und behandelt diese wie einen gefährlichen Krankheitserreger. Das Immunsystem attackiert also die normalerweise harmlosen Stoffe.

Während der Bekämpfung der Proteine schütten die Abwehrzellen (Mastzellen) des Immunsystems, bei dem Aufeinandertreffen mit den Pollenproteinen, Entzündungsstoffe (Leukotriene, Histamin) aus. Diese Entzündungsstoffe rufen die typischen Symptome des Heuschnupfens hervor. Besonders betroffen sind dabei die Augen, die Nase und der Rachen, weil Pollenproteine überwiegend mittels der Schleimhäute in den Körper gelangen.

Erblich bedingt

Das Risiko eine Pollenallergie zu entwickeln ist größer, wenn ein Elternteil an Heuschnupfen leidet:

  • Kein Familienmitglied ist Allergiker – Allergierisiko des Kindes liegt bei 5-15 Prozent
  • Ein Geschwisterkind oder ein Elternteil ist Allergiker – Risiko beträgt 25-30 Prozent
  • Beide Elternteile sind allergisch – ein Risiko von 40-50 Prozent besteht
  • Beide Elternteile haben dieselbe Allergie – Risiko für das Kind besteht bei 60-80 Prozent

Übermäßige Hygiene

Eine Rolle bei der Entwicklung von Allergien spielt, wie stark das Immunsystem während des Kindesalters gefördert wird. Dabei gehen Hygienethesen davon aus, dass die Körperabwehr bei übermäßiger Hygiene unterfordert (nicht gefördert) wird, wodurch der Körper auch harmlose Stoffe angreift.

Hinweis

Somit leiden Kinder, die auf dem Land leben (auf dem Bauernhof aufwachsen) oder Kinder, die Geschwister haben, seltener an Allergien. Der Kontakt mit Schmutz fördert nämlich die Abwehrkräfte des Immunsystems, denn „Dreck“ ist eine Art „Training“ für die Immunzellen. Deshalb begünstigt eine exzessive Hygiene die Entstehung von Allergien, da die Abwehrzellen unterfordert sind.

Rauch (vor allem Tabakrauch) und sonstige Schadstoffe in der Luft

Substanzen in der Luft, die die Atemwege reizen, tragen zur Entstehung von Allergien und auch Asthma bei. Kinder, die mit rauchenden Eltern aufwachsen, haben somit ein größeres Risiko später einmal an Heuschnupfen, Asthma oder sonstigen Allergien zu erkranken.

Was sind die Symptome eines Heuschnupfens?

Die typischen Symptome von Heuschnupfen sind:

  • verstopfte, juckende oder ständig laufende Nase
  • extreme Niesattacken, die teilweise über mehrere Minuten gehen
  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung ) mit tränenden, juckenden und geröteten Augen
  • angeschwollene Augenlider
  • gegebenenfalls Juckreiz der Schleimhäute des Rachens oder des Mundes
  • gegebenenfalls ist der Schlaf beeinträchtigt, wodurch eine starke Müdigkeit am Tag entsteht
  • Gliederschmerzen und Erschöpfung

Die Symptome der Pollenallergie erscheinen, wenn die entsprechende Pflanze ihre Pollen in die Luft freisetzen und verschwinden, wenn die Blütezeit dieser Pflanze vorbei ist.

Wissenswert

Wie stark die Symptome auftreten variiert von Mensch zu Mensch und hängt ebenfalls davon ab, wie hoch die Konzentration an Pollen in der Luft ist.

Wie wird der Heuschnupfen diagnostiziert?

Ansprechpartner bei Anzeichen von Heuschnupfen oder bei anderen Allergien sind Hautärzte, Lungenfachärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Internisten. Also all diejenigen, die eine zusätzliche Ausbildung zum Allergologen abgeschlossen haben.

Untersuchungen bei Heuschnupfen

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen eines Heuschnupfens gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Der Arzt führt mit Ihnen bei Ihrem ersten Besuch ein ausführliches Gespräch. In den meisten Fällen kann er bereits an ihrer Schilderung der Symptome einschätzen, ob es sich um eine Pollenallergie handelt. Fragen, die Ihnen gestellt werden, sind:

  • Was für Beschwerden haben Sie ?
  • Zu welchem Zeitpunkt treten Ihre Beschwerden auf (Tages- und Jahreszeit)?
  • Treten Ihre Beschwerden nur im Freien oder aber auch im Haus auf?
  • Sind bereits Allergien bei Ihnen bekannt?
  • Haben Sie Asthma oder Neurodermitis?
  • Sind allergische Erkrankungen bei Ihren Eltern bekannt (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis etc.)?
  • Wohnen Sie auf dem Land oder neben einer häufig befahrenen Straße?
  • Nehmen Sie derzeit irgendwelche Medikamente?

Bereits nach dem Gespräch kann der Arzt feststellen, ob es sich um eine Pollenallergie handelt. Den spezifischen Auslöser der Allergie herauszufinden, ist jedoch schwieriger. Im ersten Schritt schaut der Arzt in den sogenannten Pollenflugkalender. Dort ist aufgelistet, zu welchen Zeiten die unterschiedlichen Pflanzen normalerweise ihre Pollen in die Luft freisetzen. Bei typischen Beschwerden von Heuschnupfen, die im Januar erscheinen, lässt eine Allergie gegen die Pollen der Erle oder der Hasel vermuten.

Mit einer feinen Nadel sticht der Arzt leicht in die Haut und tröpfelt unterschiedliche allergenhaltige Lösungen (wie Proteine von Haselpollen, Birkenpollen, Erlenpollen etc.) auf die entstandenen kleinen „Wunden“. Die Haut wird dann nach einem bestimmten Zeitraum begutachtet. Wenn eine Reaktion (Hautrötung) durch eine Lösung ausgelöst wurde, ist man gegen diese bestimmte Pflanzenpolle allergisch.

Hierbei trägt der Arzt die verdächtige Substanz auf die Bindehaut- oder Bronchialschleimhaut und auf die Nase auf. Wenn die Schleimhäute anschwellen und es zu Beschwerden kommt, dann deutet das auf eine Allergie hin. Der Provokationstest kann in manchen Fällen zu einer schwer verlaufenden, gefährlichen Reaktion führen, weshalb der Patient noch eine weitere halbe Stunde von dem Arzt überwacht wird, bevor er entlassen werden darf.

Mit dem sogenannten “RAST”-TEST wird untersucht, ob sich bestimmte Antikörper (= spezifisches Immunglobulin IgE) gegen Pollenproteine im Blut befinden. Je höher die Konzentration der Antikörper im Blut ist, desto schwerwiegender ist die allergische Reaktion gegen die Pollenproteine.

Therapie bei Heuschnupfen

Die meisten Patienten erhalten Medikamente, die die Beschwerden des Heuschnupfens lindern. Solche sind sogenannte Antihistaminika, die in der Form von Nasensprays und in der Form von Tabletten zur Verfügung stehen.

Hinweis

Eine weitere Methode zur Behandlung von Heuschnupfen ist die sogenannte Hyposensibilisierung. Hierbei wird versucht, dass das Immunsystem sich stufenweise an die Pollenproteine gewöhnt. Das Allergen wird hierbei in einer bestimmten Konzentration unter die Haut gespritzt oder in Form von Tabletten unter die Zunge des Patienten gelegt.

Wie kann man einem Heuschnupfen vorbeugen?

Um die Beschwerden des Heuschnupfens vorzubeugen, ist die sicherste Methode, die Pollen zu vermeiden. Das Meiden ist jedoch nicht ganz so einfach wie in der Theorie, da Pollen hunderte von Kilometern durch die Luft schweben können. So kann der Heuschnupfen ausgelöst werden, ohne dass man sich an einem Ort aufhält, in dem sich die entsprechende Pflanze befindet.

Die aufgelisteten Tipps können allerdings helfen:

Verreisen: Wenn die Möglichkeit besteht, sollte man während der Pollenflugzeit der auslösenden Pflanze an Orte reisen, in denen die Pflanze nicht mehr oder noch nicht blüht.

Lüften Sie nur zu bestimmten Zeiten: In den ländlichen Regionen ist die Konzentration der Pollen zwischen vier und sechs Uhr am Morgen am höchsten. Aus diesem Grund sollte man, wenn man an Heuschnupfen leidet, erst zwischen 19 und 24 Uhr lüften. In der Stadt gilt die Regel umgekehrt. So ist hier die Konzentration morgens zwischen sechs und acht Uhr am niedrigsten, weshalb man am Morgen lüften sollte.

Pollenschutzgitter anbringen: Das Pollenschutzgitter ähnelt einem Insektennetz. Jedoch fängt es nicht nur Mücken oder Fliegen ab, sondern verwehrt auch den Pollen den Zutritt in die Wohnung.

Halten Sie das Schlafzimmer frei von Pollen: Legen Sie ihre Straßenkleidung nicht in ihrem Schlafzimmer ab und waschen Sie sich vor dem Schlafen gehen die Haare. So verhindert Sie, dass die Pollen sich im Schlafbereich ausbreiten. Trocknen Sie auch ihre gewaschene Wäsche nicht im Freien, da sich die in der Luft schwebenden Pollen an der Wäsche sonst anhaften.

Halten Sie Ihren Wohnraum von Pollen frei: Wenn Sie ein nasses Handtuch aufhängen, haften die Pollen sich daran und sind auf das Handtuch begrenzt. Außerdem ist es zu Ihrem Vorteil, wenn Sie während der Pollensaison regelmäßig Staubsaugen und Staubwischen. Das Staubsaugen sollten Sie jedoch jemandem überlassen, der nicht an Heuschnupfen leidet, da man durch das Saugen die Pollen aufwirbelt. Als Alternative können Sie sich eine spezifische Feinstaubmaske (FFP3 Feinstaubmaske) aus dem Baumarkt besorgen, um selbst solche Hausarbeiten gefahrlos betätigen zu können.

Beachten Sie die Pollenvorhersage: Informieren Sie sich um den aktuellen Pollenflug im Internet (Pollenflug-App), Radio oder Zeitungen. Hier werden regelmäßige Vorhersagen für jede Region angeboten.

Schützen Sie sich auch beim Autofahren vor Pollen: Während dem Fahren, sollten Betroffene das Fenster geschlossen halten und die Lüftung ausgeschaltet lassen. Bei den meisten Autos ist es möglich, die Lüftungsanlagen mit Pollenfiltern auszurüsten. Unvorhersehbare Niesattacken können nämlich die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer beeinträchtigen. Deshalb ist ein Pollenfilter bei starkem Heuschnupfen eine sich lohnende Investition.

Wie ist die Prognose eines Heuschnupfens?

Heuschnupfen kann sich letztendlich in jeder Phase des Lebens entwickeln. Häufig tritt das erste Mal aber schon im Kindesalter auf.

In der Regel bleibt eine Pollenallergie lebenslang bestehend und intensiviert sich, wenn sie unbehandelt bleibt. Mit einer Therapie lassen sich die Beschwerden aber deutlich verringern und Komplikationen (wie etwa Asthma) können vermieden werden.

Zusammenfassung

Unter Heuschnupfen bzw. Pollenallergie versteht man eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf Proteine von unterschiedlichen Arten von Pflanzenpollen. Die wichtigsten Symptome sind dabei eine juckende, laufende oder verstopfte Nase, sowie juckende und gerötete Augen.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

In städtischen Gebieten ist die Pollenkonzentration zwischen 18 und 24Uhr am höchsten.

In ländlichen Gebieten ist die Pollenkonzentration von vier bis 6 Uhr morgens am höchsten.

Ob die Pollenallergie abends besser wird, hängt von ihrem Verhalten ab. Sie können ihren Zustand verbessern, wenn Sie sich von ihrer Straßenkleidung fern halten, ihre Haare waschen und die Fenster geschlossen halten. Wenn Sie sich allerdings am Abend an der frischen Luft aufhalten, wird die Pollenallergie sogar schlimmer (vorausgesetzt Sie leben in der Stadt).

Die Beschwerden des Heuschnupfen sind am schlimmsten, wenn sich eine hohe Anzahl an den Pollen in der Luft befinden. Demnach hängt die Stärke der Symptome von der Konzentration der sich in der Luft befindlichen Pollen ab.

Der Heuschnupfen ist abends schlimmer, weil die Konzentration der Pollen in der Luft am Abend am höchsten ist (vorausgesetzt Sie leben in der Stadt). Umgekehrt ist es, wenn sie auf dem Land leben. Da ist die Konzentration der Pollen am Morgen am höchsten.

Ein weiterer Grund für die Verschlimmerung der Symptome am Abend kann sein, dass sie ihre Straßenkleidung neben ihrem Bett ablegen bzw. sich in der Nähe ihrer Straßenkleidung aufhalten. Wenn Sie mit ungewaschenen Haaren ins Bett gehen, sind Sie den Pollen ebenso konstant ausgesetzt.

Der Heuschnupfen fängt mit der Blütezeit der jeweiligen Pflanze an und dauert so lange, bis die Blütezeit vorbei ist.

Nachts hilft es, die Fenster geschlossen zu halten. Vor allem ein Pollenschutzgitter am Fenster ist zur Bekämpfung der Pollen sehr hilfreich. Wenn sie sich tagsüber im Freien aufgehalten haben, waschen Sie ihre Haare um restliche Pollen zu entfernen. Legen Sie ebenso ihre Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ab, um die Ausbreitung der Pollen zu vermeiden.

Begriffe

Bindehautentzündung

Eine Bindehautentzündung ist eine Infektion der Bindehaut des Auges, die meist durch Bakterien oder Viren verursacht wird.
Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl der Haut, das den Drang zum Kratzen hervorruft. Er ist ein charakteristisches Merkmal vieler Hautkrankheiten und ein Anzeichen für einige systemische Krankheiten.
Jeder Mensch ist hin und wieder von Müdigkeit betroffen. Dabei besteht auch erstmal kein Grund zur Sorge, denn besonders in stressigen Lebensphasen kommt die Nachtruhe bei einer Vielzahl der Menschen zu kurz.
Neurodermitis, auch atopisches Ekzem bzw. Diathese, ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter. Hauptmanifestation ist der stark juckende Hautausschlag, der sich je nach Alter individuell ausgeprägt.

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