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Fieberkrampf

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Geschrieben von
Bassem Maalouf (Arzt)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Fieberkrampfs?

Fieberkrämpfe sind epileptische Anfälle, die meist Kinder im Alter von etwa sechs Monaten bis sechs Jahren, vor allem aber um das zweite Lebensjahr herum, betreffen. Fieberkrämpfe sind ausdrücklich keine Epilepsie , sind aber im Moment des Geschehens für Laien kaum zu unterscheiden. Bei zwei von drei Kindern, die einen Fieberkrampf erleiden, tritt nie wieder ein weiterer Fieberkrampf ein. Vor allem für Eltern können Fieberkrämpfe eine beängstige Situation sein. Neuste Studien konnten zeigen, dass sonst gesunde Kinder, die lediglich Fieberkrämpfe erlitten, keine Nachteile in ihrer Entwicklung zu befürchten haben und Fieberkrämpfe langfristig in aller Regel harmlos sind.

Der Grund für Fieberkrämpfe sind, wie der Name vermuten lässt, in erster Linie ein Fieber. Es handelt sich also nicht hauptsächlich um eine Erkrankung des Gehirns, sondern um eine Reaktion des Gehirn- und Nervensystems auf Fieber. Am häufigsten tritt dieses Fieber bei Kindern auf, die durch einen Infekt krank werden, also meist harmlose Virus-Infekte mit Häufung in den Herbst- und Wintermonaten. Fieberkrämpfe können also lediglich die Folge einer im Grunde einfachen Erkältung sein. Es ist nicht abschließend geklärt, ob die Geschwindigkeit, in der das Fieber ansteigt oder die Höhe des Fiebers entscheidend für das Auslösen von Fieberkrämpfen ist. Allerdings beobachtet man Fieberkrämpfe häufig dann, wenn das Fieber in kurzer Zeit sehr schnell steigt.

Von Fieber spricht man meist ab einer Körpertemperatur von mehr als 38°C. Da die Nervenzellen bzw. das Nervensystem von Kindern noch nicht vollständig entwickelt sind, kann es sein, dass Fieber zu einer Art Fehlfunktion in Form von Fieberkrämpfen führt.

Wissenswert

Hatten die Eltern in der Kindheit selbst Fieberkrämpfe, ist das Risiko für die eigenen Kinder auch höher an Fieberkrämpfen zu leiden. Auch der Besuch einer Krippe oder KiTa ist statistisch gesehen ein Risikofaktor, da in diesen Gemeinschaftsräumen das Risiko einer Ansteckung durch kranke Kinder höher als zu Hause ist.

Was sind die Symptome eines Fieberkrampfs?

Es kann sein, dass Fieberkrämpfe auftreten, bevor Kinder Beschwerden eines Infektes/Erkältung zeigen. Das liegt daran, dass Fieberkrämpfe, wie oben beschrieben, oft zu Beginn auftreten, wenn das Fieber beginnt. Es ist also nicht immer "vorhersehbar", um welches Ereignis es sich handelt, was zu großer Verunsicherung führen kann. 90 % aller Fieberkrämpfe enden von ganz alleine nach weniger als drei Minuten. In sehr seltenen Fällen können sie aber auch länger als 15 Minuten anhalten. Grundsätzlich sollten Fieberkrämpfe, die länger als fünf Minuten andauern, jedoch mit Medikamenten beendet werden, da sie dann nur sehr selten von alleine enden. Fieberkrämpfe können ganz verschieden aussehen und in jeder Situation (auch im Schlaf) auftreten.

In der Regel wirken die betroffenen Kinder von einem Moment auf den anderen wie abwesend, die Arme und Beine können steif werden und die Kinder beginnen am ganzen Körper oder mit den Armen und Beinen rhythmisch zu zittern oder zucken. Von sehr unauffälligen Bewegungen bis hin zu wildem Umherschlagen ist dabei jede Form möglich. Nachdem der Fieberkrampf beendet ist, fallen die Kinder oft in den Schlaf oder sind sehr müde, denn auch kurze Phasen dieser Muskelzuckungen sind sehr anstrengend. Während des Fieberkrampfs kann es auch dazu kommen, dass die Kinder einnässen oder Stuhlgang ablassen.

Wie wird der Fieberkrampf diagnostiziert?

Im Vordergrund der Diagnose steht, die Ursache zu finden. Behandelnde suchen also nach dem Auslöser für das Fieber, was sehr oft ein einfacher Infekt der Atemwege oder eine Blasenentzündung sein kann. In diesem Fall sind oft keine weiteren Untersuchungen mehr notwendig. Abhängig davon, wie schnell und wie sicher ein Grund festgestellt werden kann, kann es notwendig sein, eine Blutentnahme durchzuführen.

Hinweis

Bei jungen Kindern unter ca. 18 Monaten wird in der Regel sehr genau hingeschaut, um auszuschließen, dass sie an einer schlimmen Hirnhautentzündung leiden, die in diesem Alter ähnliche Beschwerden machen kann.

Dafür kann eine Hirnwasseruntersuchung durchgeführt werden ("Liquorpunktion"). Grundsätzlich unterscheiden Behandelnde zwischen komplizierten und unkomplizierten Fieberkrämpfen. Die Einteilung erfolgt danach, wie die Fieberkrämpfe aussahen, wie lange und wie oft sie auftraten und wie alt das Kind ist. Der größte Anteil sind unkomplizierte Fälle, sodass man nur bei den komplizierten Fällen weitere Untersuchungen, wie z.B. ein EEG, also das Messen der Hirnströme, macht.

Therapie bei Fieberkrampf

Fieberkrämpfe treten meist zu Hause auf und enden wie oben beschrieben auch meist von allein. Während des Fieberkrampfs sollte das Kind nicht festgehalten werden. Stattdessen sollte die Umgebung freigeräumt und ggf. gepolstert werden, sodass sich das Kind nicht an Spielzeug oder Kanten verletzt. Es dürfen niemals Gegenstände oder Nahrung in den Mund eingeführt werden. Enden die Fieberkrämpfe nicht von allein müssen sie mit Medikamenten beendet werden. Diese können nicht nur von Ärzt:innen verabreicht werden - oft wird das Medikament in Form eines Zäpfchens oder Tablette nach dem ersten Fieberkrampf mit nach Hause gegeben, damit im Falle eines erneuten Fieberkrampfs die Eltern zu Hause den Krampfanfall beenden können. Wird der Fieberkrampf auch dadurch nicht beendet, sollte der Notruf gewählt werden.

Zur Grundtherapie gehört es den Infekt zu behandeln bzw. abzuwarten, der das Fieber verursacht. Zur Therapie kann auch die Gabe von Fiebersenkern gehören, allerdings kann auch das weitere Fieberkrämpfe nicht verhindern. Eltern sollten sich also bewusst machen, dass übereifriges Fiebermessen und die genaue Gabe von Fiebersenkern nicht grundsätzlich notwendig sind und auch nicht Fieberkrämpfe verhindern. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass es ein häufiges, meist ungefährliches Krankheitsbild handelt und ggf. damit vertraut machen, wie man das Notfall-Medikament im Falle einsetzt.

Wie ist die Prognose eines Fieberkrampfs?

Fieberkrämpfe, die im Rahmen von typischen, ungefährlichen, fieberhaften Infekten entstehen, sind in aller Regel harmlos und haben keine negative Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes. Erleidet ein Kind einen Fieberkrampf, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit von bis zu 50 %, dass erneute Fieberkrämpfe auftreten. Diese sind dann nicht gefährlicher als der erste Fieberkrampf.

Man konnte feststellen, dass Kinder, die an komplizierten Fieberkrämpfen leiden, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, eine Epilepsie zu entwickeln - das bedeutet allerdings nicht, dass die Fieberkrämpfe zu einer Epilepsie führen. Daher werden auch bei komplizierten Fieberkrämpfen mehr Untersuchungen gemacht als bei unkomplizierten.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einem Fieberkrampf

Es gibt keine sichere Methode, Fieberkrämpfe zu verhindern. Wichtiger ist es, zu verstehen, worum es sich handelt und Ruhe zu bewahren. Eltern sollten ihre kranken Kinder nicht mit häufigem Fiebermessen und unangenehmen Maßnahmen wie kalten Wadenwickeln belasten. Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Zink sollten nicht verwendet werden, da in Studien festgestellt wurde, dass es nicht hilft und die Einnahme oft mit Stress für Kinder und Eltern verbunden ist.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Fieberkrampf

Im Falle eines unkomplizierten Fieberkrampfs besteht eine hervorragende Prognose und es bedarf keine Nachsorge. Nach komplizierten Fieberkrämpfen wird in der Regel nach Abklingen des Infektes ein EEG gemacht, um eine Erkrankung des Gehirns, etwa Epilepsie , auszuschließen.

Zusammenfassung

Fieberkrämpfe sind eine im Kindesalter sehr häufige und in den allermeisten Fällen harmlose Erscheinung, die im Rahmen von fieberhaften Infekten auftritt. Die meisten Fieberkrämpfe enden von ganz alleine, in wenigen Fällen muss allerdings ein Medikament zur Beendigung gegeben werden. Nach Abklingen des fieberhaften Infektes entwickeln sich die Kinder in aller Regel völlig normal und tragen keine Langzeitschäden davon.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Fieberkrämpfe entstehen im Gehirn und gelten deswegen als epileptische Anfälle. Sie sind allerdings nicht das Symptom einer Epilepsie! Dies ist wegen der Wortwahl irritierend, aber wichtig zu unterscheiden.

Da 90% aller Fieberkrämpfe von alleine enden, ist das Risiko sehr gering daran zu versterben. Es gibt selten Formen, die nur mit Medikamenten gestoppt werden können. Ein sog. "status epilepticus" kann lebensbedrohlich sein.

Fieberkrämpfe können ganz verschieden aussehen und in jeder Situation (auch im Schlaf) auftreten.

Es gibt keine "maximale Anzahl" von Fieberkrämpfen, es können vermehrt Fieberkrämpfe auftreten und auch hintereinander stattfinden.

Die konkrete Anwendung des Medikamentes wird von der Behandelnden Person erklärt, die das Rezept ausgestellt hat. Grundsätzlich ist die Gabe eines Medikamentes dann empfohlen, wenn ein Fieberkrampf länger als fünf Minuten anhält.

Von 100.000 geimpften Kindern tritt bei vier Kindern ein Fieberkrampf auf. Im Falle von Totimpfstoffen können Fieberkrämpfe etwa 1-2 Tage nach der Impfung, bei sog. "attenuierten" Impfstoffen nach 3-7 Tagen auftreten. Der Grund für den Fieberkrampf ist allerdings sehr wahrscheinlich nicht die Impfung selbst, sondern dass das Immunsystem beginnt zu arbeiten und dabei auch Fieber entstehen kann.

Fieberkrampf Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Fieberkrampf

Epidemiologie

  • 2-5% aller Kinder betroffen
  • Häufigkeitsgipfel: 2. Lebensjahr

Risikofaktoren

  • Geschwister mit Krampfleiden
  • Bereits stattgefundener Fieberkrampf

Ursachen

  • erhöhte Krampfbereitschaft des Gehirns bei schnellem Temperaturanstieg

Symptome

  • Fieber
  • Muskelzuckungen
  • verdrehen der Augen
  • Bewusstseinsverlust
  • Zyanose

Komplikationen

  • Verletzungen
  • Sauerstoffmangel
  • Hirnschäden

Diagnose

  • Anamnese
    • Leidet ihr Kind an Fieber?
    • Sind bei ihrem Kind Muskelzuckungen wahrnehmbar?
    • Verdreht ihr Kind die Augen?
    • Hat ihr Kind plötzlich das Bewusstsein verloren?
    • Ist die Haut/ Sind die Lippen ihres Kindes blass oder bläulich verfärbt?
    • Gibt es Geschwisterkinder, die zu Fieberkrämpfen neigen?
    • Hatte ihr Kind schon mal einen Fieberkrampf?
  • Körperliche Untersuchung
    • Messung der Körpertemperatur
    • möglichst schnell Behandlung

Therapie

  • Supportive Maßnahmen
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Fiebersenkung ab 38.5 Grad

Prognose

  • in der Regel ungefährlich

Begriffe

Erkältung

Eine Erkältung stellt einen grippalen Infekt der oberen Atemwege dar. Sie äußert sich meist in Form von Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder leichtem Fieber.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.

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