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Analprolaps

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Geschrieben von
Dr. Moritz Wieser (Arzt)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einem Analprolaps?

Bei einem Analprolaps wird die Schleimhaut des Analkanals über den Schließmuskel hinaus gestülpt. Ein Prolaps bezeichnet das "Herausstülpen" oder den Vorfall eines Organs.

Ursache für einen Analprolaps sind v.a. ausgeprägte Hämorrhoiden und eine Schwäche des Schließmuskels. Auch eine Bindegewebsschwäche gilt als Risiko für die Entwicklung eines Analprolapses. Abzugrenzen ist der Analprolaps von einem Rektumprolaps, der ähnliche Symptome hat, jedoch anders behandelt wird.

Hinweis

Ein Analprolaps ist in den meisten Fällen durch Hämorrhoiden bedingt. Gründe für Hämorrhoiden sind chronische Verstopfung und sitzende Tätigkeiten. Auch (altersbedingte) Bindegewebsschwächen, insbesondere nach Schwangerschaften und eine schwache Beckenbodenmuskulatur wirken fördernd für die Entwicklung von Hämorrhoiden und einem Analprolaps.

Mehrere Schwangerschaften strapazieren das Bindegewebe und die Muskulatur des Beckenbodens. Wenn kein Sport betrieben wird und der Beckenboden nicht durch adäquates Training fit gehalten wird, kann es zu einem Analprolaps kommen. Hierbei übersteigt der Druck im Darm den Druck des Schließmuskels. Wenn der Druck überstiegen wird stülpt sich die Schleimhaut des Analkanals von innen nach außen über den Schließmuskel hinaus. Daraufhin wird die rote Analschleimhaut außerhalb des Anus zwischen der Gesäßfalte sicht- und tastbar.

Was sind die Symptome eines Analprolaps?

Symptome eines Analprolaps sind meist sehr deutlich und unangenehm. Wenn die Schleimhaut des Analkanals sich über den Schließmuskel stülpt, lässt sie sich als rote Scheimhaut erkennen. Der Patient kann hierbei ein weiches, empfindliches Gewebe tasten. Da die Analschleimhaut zahlreiche Rezeptoren aufweist, ist sie äußerst empfinsam. Betroffene klagen über ein unangenehmes Schmerzgefühl in der Anusregion.

Des Weiteren kommt es im Verlauf zu einem starken Juckreiz der analen Schleimhaut, da sie durch Reibung an Klamotten irritiert wird. Es besteht die Möglichkeit, dass der Patient unwillentlich Stuhl verliert, was man als "Stuhlinkontinenz" bezeichnet. Es kann im Verlauf auch zu Schleim- und Blutabgang aus dem Anus kommen. Die Blutbeimischung ist meist Folge kleiner Verletzungen der Schleimhaut.

Wie wird die Analprolaps diagnostiziert?

Untersuchungen bei Analprolaps

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen eines Analprolaps gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Zu Beginn findet zumeist ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Im Zuge dieses Gesprächs sollten alle bei dem Patienten vorliegenden Krankheitszeichen so genau wie möglich beschrieben werden.

Die Diagnose erfolgt durch den behandelnden Arzt und beinhaltet meist lediglich eine Blickdiagnose. Hierbei erkennt der Arzt die vorgestülpte rote Anusschleimhaut über dem Schließmuskel, wie sie sich speichenförmig in der Gesäßfalte ausbreitet. Hat die Schleimhaut des Anus sich bis zur Begutachtung durch den Arzt bereits von alleine zurückgestülpt, oder wurde dies durch die betroffene Person selbst manuell durchgeführt, wird der Arzt den Patienten bitten zu Pressen, bzw. zu Husten um einen erneuten Prolaps zu provozieren und den Analprolaps genauer inspizieren zu können.

Beim Pressen wird der Druck im Bauchraum und im Darm erhöht, worauf der Druck im Darm den Druck des Schließmuskels übersteigt. In Folge dessen kommt es dann zum Prolaps. Der Arzt wird zudem eine rektale Fingeruntersuchung durchführen, um den Prolaps und die Schleimhaut besser tasten zu können. Im Folgenden kann zudem eine Darmspiegelung, oder eine Röntgen, bzw. MRT- Aufnahme des Defäkationsvorgang weitere wichtige Antworten auf die Ursache des Analprolapses liefern.

Therapie bei Analprolaps

Die Therapie eines Analprolapses erfolgt meist konservativ, das bedeutet ohne Operation und beinhaltet eine Regulation des Stuhlgangs sowie eine medikamentöse Therapie. Eine Regulation des Stuhlgangs kann erzielt werden mit einer Umstellung der Ernährung, wobei auf einen regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse geachtet werden sollte. Obst und Gemüse enthalten viele Fasern, die den Stuhl weich und geschmeidig machen.

Hinweis

Die Konsistenz des Stuhls ist von großer Bedeutung für die Funktionsweise des Darms. Der Darm steht unter einer wesentlich größeren Belastung, wenn der Stuhl hart ist und zu Verstopfung führt. Durch den täglichen Verzehr von Obst und Gemüse kann eine chronische Verstpfung verhindert und der Darm kann entlastet werden.

Im akuten Stadium eines Analprolapses können abschwellende Maßnahmen, wie kühle feuchte Umschläge und entzündungshemmende Medikamente Abhilfe schaffen. Nach der Diagnose durch den Arzt kann der Prolaps auch selbst zurückgestülpt werden, doch sollte vor der Erstdiagnose damit gewartet werden, damit der behandelnde Arzt den Prolaps genau inspizieren kann. Gegebenenfalls können auch Schmerzmedikamente eingenommen werden, falls der Prolaps dem Betroffenen starke Schmerzen bereitet. 

Wenn ausgeprägte Hämorrhoiden die Ursache für einen Analprolaps sind, können diese operativ versorgt werden mithilfe von verschiedenen Techniken. Zudem sollte ausreichend Sport betrieben werden und sitzende Tätigkeiten vermieden werden. Hierbei ähnelt die Therapie für Hämorrhoiden sehr der Therapie für einen Analprolaps.

Das Augenmerk in der Therapie liegt jedoch vor allem in der Prävention eines erneuten Analprolapses. Diese Vorbeugung wird erzielt, indem man neben Umstellung der Ernährung anfängt Sport zu treiben und Übungen für die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur durchführt. Das Bindegewebe und die Muskulatur des Beckenbodens spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung eines Analprolapses. Sind diese beiden Komponenten durch Übungen, die sich gut Zuhause durchführen lassen adäquat gestärkt, lässt sich ein Analprolaps effektiv verhindern.

Wie ist die Prognose einer Analprolaps?

Die Prognose eines Analprolapses variiert je nach Ursache und Allgemeinzustand des Patienten. Liegt eine Bindegewebsschwäche bei einer älteren Person vor, sollte die Beckenbodenmuskulatur gestärkt werden. Dies erweist sich bei Patienten, die nicht mehr mobil sind als äußerst schwierig. Trotzdessen werden sich die Beschwerden eines Analprolapses mit der Zeit bessern, sofern die Muskulatur des Beckenbodens gestärkt werden kann. Bei Hämorrhoiden als Ursache, sollte ausreichend Sport betrieben werden und sitzende Tätigkeiten vermieden werden. Bei erfolgreicher Operation der Hämorrhoiden als Ursache für einen Analprolaps ist die Prognose sehr gut.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Analprolaps

Ein Analprolaps ist meist durch eine Muskelschwäche des Beckenbodens, des Schließmuskels oder Hämorrhoiden verursacht. Diesen Risiken kann mithilfe von Haushaltsmitteln und regelmäßigem Training vorgebeugt werden. Es ist essentiell die Beckenbodenmuskulatur im Alter zu stärken. Es gibt diverse Übungen, die entweder im Fitnessstudio, aber auch einfach zuhause durchgeführt werden.

Anleitungen hierfür lassen sich zahlreiche im Internet finden. Insbesondere Frauen, die mehrer Kinder bekommen haben sind prädisponiert für eine Bindegewebsschäche und eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Bei dieser Personengruppe ist es besonders wichtig, dass eine regelmäßige Festigung der Beckenbodenmuskulatur erfolgt, um einem Analprolaps und dem Entstehen von Hämorhoiden vorzubeugen.

Des Weiteren stellt die Ernährung und der damit verbundene Stuhlgang eine wichtige Säule in der Prävention von Hämorrhoiden und chronischer Verstopfung dar. Verstopfung kann erfolgreich verhindert werden, wenn täglich Obst und Gemüse verzehrt werden. Dem hohen Faseranteil in diesen Lebensmitteln ist es zu verdanken, dass der Stuhl in seiner Konsistenz weich und geschmeidig wird und beim Stuhlgang nicht gepresst werden muss. Generell sollte beim Stuhlgang darauf geachtet werden nicht zu stark zu Pressen, da dies das Entstehen eines Analprolapses begünstigt.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Analprolaps

Die Nachsorge eines Analprolapses umfasst regelmäßige Kontrollen durch einen Proktologen, welcher die Essgewohnheiten und den Status der Beckenbodenmuskulatur überprüft. Sofern die Beckenbodenmuskulatur gekräftigt werden kann, hat der Analprolaps normalerweise eine gute Prognose und sollte nicht wieder Auftreten. Bei erneutem Auftreten sollte der Arzt erneut kontaktiert werden, um Abhilfe zu schaffen und nach der Ursache zu suchen.

Zusammenfassung

Ein Analprolaps bezeichnet das Vorstülpen von Schleimhaut über den Schließmuskel hinaus. Die häufigsten Ursachen für einen Analprolaps sind Hämorrhoiden, Bindegewebsschwäche und eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Die Therapie besteht nach manueller Reposition der Schleimhaut vor allem in der Vorbeugung mithilfe von Beckenbodenmuskeltraining und Umstellung der Ernährung auf reichlich Obst und Gemüse.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Analprolaps Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Analprolaps

Epidemiologie

  • Inzidenz: ca 2.5 pro 100 000 Bewohner pro Jahr

Risikofaktoren

  • Angeborene Fehlbildungen
  • Gynäkologische Eingriffe
  • Hämorrhoiden
  • Verletzungen des Schließmuskels
  • neurologische Störungen
  • Entzündungen
  • Tumoren

Ursachen

  • Schwächung der Beckenbodenmuskulatur

Symptome

  • Hervortreten des Darms
  • Juckreiz am After
  • Blutung aus dem After

Komplikationen

  • Beeinträchtigung der Darmschleimhaut
  • Blutungen

Diagnose

  • Anamnese
    • Tritt der Darm aus ihrem After hervor?
    • Ist dies dauerhaft der Fall?
    • Tritt der Darm nur beim Pressen (z.B. beim Stuhlgang) hervor?
    • Leiden sie an Juckreiz im Bereich des Afters?
    • Tritt Blut aus ihrem After aus?
  • Endoskopie
    • Bestätigung der Verdachtdiagnose

Therapie

  • Behandlung der Grunderkrankung
  • Konservative Behandlung
  • Operation

Präventionsmaßnahmen

  • ausgewogene Ernährung
  • Bewegung
  • Beckenbodentraining

Prognose

  • Je früher die Diagnose und Behandlung desto besser ist die Prognose.

Begriffe

Hämorrhoiden

Hämorrhoidalleiden können auftreten, wenn das natürliche Gefäßpolster am Darmausgang sich vergrößert. Dabei können Blutungen, Brennen und Juckreiz auftreten. Die Beschwerden können je nach Ausprägung mit Verhaltensänderungen, Medikamenten oder mit Operationen behandelt werden.
Als Husten bezeichnet man die Reaktion des Körpers, auf eine Reizung des Rachens oder der Atemwege.
Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl der Haut, das den Drang zum Kratzen hervorruft. Er ist ein charakteristisches Merkmal vieler Hautkrankheiten und ein Anzeichen für einige systemische Krankheiten.
Verstopfung ist ein medizinischer Zustand, der Ihre Fähigkeit, Stuhl auszuscheiden, beeinträchtigen kann. Obstipation ist eine schwere Form der Verstopfung, bei der eine Person keinen Stuhlgang oder Blähungen hat.

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